Erstmals Details aus Abfangjäger-Angebot

22. März 2002, 13:39
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1,8 Milliarden Euro für gebrauchte F-16-Jets - Lockheed Martin bietet die F-16 feil und lockt mit Gegengeschäften

Wien - Die Anstrengungen der drei Anbieter im Rennen um die Draken-Nachfolge, ihr Produkt in den besten Farben zu schildern, sind groß. Umso zurückhaltender sind die Rüstungsmanager dafür bei exakten Angaben zum Preis für die Kampfjets und zu den möglichen Gegengeschäften. Der APA liegt nun aber ein mit 24. Jänner datiertes Schreiben des US-Konzerns Lockheed Martin an das Wirtschaftsministerium vor. Der Gesamtpreis für das Rüstungsgeschäft wird in der ersten Anbotsrunde darin mit 1,616 Mrd. Dollar (1,833 Mrd. Euro) angegeben, der Umfang der Gegengeschäfte mit zumindest 1,196 Mrd. Dollar (1,357 Mrd. Euro). Eine zweite Anbotsrunde ist im Laufen.

Die von Lockheed Martin angebotenen Gegengeschäfte erreichen laut dem Schreiben damit rund 74 Prozent des gesamten Auftragswertes. Gleichzeitig wird aber auch betont, dass diese Offset-Summe im Minimum zu 100 Prozent dem Auftragswert für Lockheed Martin und den Triebwerkshersteller entspreche. Für die Lieferung der Turbinen kommen General Electric und Pratt & Whitney in Frage.

Eine offizielle Aussage zu den Gegengeschäften hatte Lockheed Martin am Mittwoch gemacht. Man habe - so eine Aussendung - Projekte identifiziert, "die das Potenzial haben, 3,4 Milliarden Euro über den geplanten Leistungszeitraum von 15 Jahren zu übersteigen". Zu dem Schreiben vom Jänner war seitens des Konzerns kein Kommentar zu bekommen.

Secondhand-Flieger

Lockheed Martin und die US-Regierung haben jedenfalls neben dem Hauptangebot auch ein zweites für generalüberholte Jets aus den Beständen der US Air Force abgegeben. Gegenüber dem US-Kongress sind die Preise mit bis zu einer Milliarde Dollar für 30 gebrauchte Jets und 1,739 Mrd. Dollar für 30 neue Flugzeuge angegeben worden.

Kostenrahmen der Regierung: 1,82 Mrd. Euro

Die österreichische Regierung hat als Kostenrahmen für die größte Beschaffung der Zweiten Republik 1,82 Mrd. Euro angegeben. Dazu kommen die Offset-Forderungen: Erwartet würden 200 Prozent, hieß es. Dieses Ausmaß hat der US-Konzern immer als unüblich bezeichnet.

Dass in dem Kompensations-Angebot vom Jänner zwei Prozentsätze angegeben werden, resultiert möglicherweise daraus, dass an dem Deal auch die US-Regierung beteiligt wäre. Zum einen würde das Geschäft - wie bei Rüstungsgeschäften mit US-Konzernen üblich - ohnehin über die US-Regierung abgewickelt. Die US-Regierung würde aber auch direkt Leistungen erbringen und etwa die Flugzeuge für die von Österreich bis zur Lieferung neuer Jets geforderte Zwischenlösung zur Verfügung stellen. Auch die Lieferung der Flugzeuge nach Österreich würde mit Unterstützung der Regierung abgewickelt.

Gripen und Eurofighter kämpfen mit

Die Angebotsfrist für die Draken-Nachfolge ist am 23. Jänner zu Ende gegangen, eingegangen sind auch Offerte für den schwedisch-britischen "Gripen" und den "Eurofighter". Seither prüft eine Kommission im Verteidigungsministerium die technischen Angaben, im Wirtschaftsministerium nimmt man die Offset-Angebote unter die Lupe. Seitens des Verteidigungsministeriums werden die Anbieter nach einer ersten Prüfung aufgefordert, Informationen nachzuliefern und ihre Angebote nachzubessern. Eine derartige Vorgangsweise wird auch bei den Gegengeschäftsangeboten nicht ausgeschlossen. (APA)

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