Ceska Sporitelna soll ganz in österreichische Hand

22. März 2002, 19:38
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Erste Bank-Hauptaktionärin AVS kündigt Übernahmeoffert für Streubesitz an tschechischer Großsparkasse an

Wien - Die Hauptaktionärin der Erste Bank der österreichischen Sparkassen bereitet die Übernahme des gesamten Streubesitzes der tschechischen Großsparkasse Ceska Sporitelna (CS) vor. Am Freitag wird die Anteilsverwaltungsparkasse (AVS) bei der tschechischen Wertpapierkommission die Genehmigung eines öffentlichen Übernahmeangebots für die Minderheitsanteile zum Preis von 375 tschechischen Kronen (11,98 Euro) pro Stammaktie beantragen. Die Erste Bank, Wien, hält 52 Prozent des Grundkapitals der CS und 56 Prozent der Stimmrechte.

Das Angebot gilt ab Zustimmung der Prager Wertpapierbehörde sechs Wochen lang. Der angebotene Preis liegt um 22 Prozent über dem sechsmonatigen Durchschnittskurs der CS-Aktien, Bewertungen hatten einen "fairen Kaufpreis" in Höhe von rund 311 Kronen pro Aktie errechnet.

750 Millionen Euro

Für den Erwerb des restlichen Pakets an der Ceska Sporitelna - das Übernahmegebot lautet auf 48 Prozent des Kapitals - wird die Erste Bank-Mehrheitsaktionärin AVS rund 750 Mill. Euro (mehr als 23 Mrd. Kronen) locker machen müssen. Die Erste Bank hat dabei eine Call-Option, kann also binnen vier Jahren jene CS-Aktien, die die AVS im Rahmen des jetzigen Übernahmeangebots übernehmen wird, erwerben. Dies teilte Erste Bank-Generaldirektor Andreas Treichl am Freitag in einer Pressekonferenz mit.

Rasanter Kursanstieg

Seit August 1999 ist der Aktienkurs der Ceska Sporitelna an der Prager Börse um fast 100 Prozent gestiegen. Die AVS führt das auf die erfolgreiche Reorganisation durch die CS-Mehrheitsaktionärin Erste Bank zurück. Aus Sicht der AVS hat der aktuelle Kurs allerdings auch "ein mögliches Übernahmeangebot und eine damit verbundene Prämie bereits spekulativ vorweggenommen."

Am Grundkapital der Ceska Sporitelna halten neben der Mehrheitsaktionärin Erste Bank (52 Prozent) heute noch die Tschechische Versicherung (8,1 Prozent), tschechische Gemeinden (7,4 Prozent) und die EBRD (5,9 Prozent) Minderheitsanteile. Als Streubesitz am Grundkapital werden 26,5 Prozent ausgewiesen. Nach Stimmrechten hält die Erste Bank 56,3 Prozent. Die Ceska Pojistovna (Versicherung) hat 8,8 Prozent, die EBRD 6,4 Prozent des Stimmrechtskapitals. 28,6 Prozent der Stimmrechtsaktien sind Streubesitz. Die Gemeinden halten keine Stimmrechte.

Die AVS, formal "Die Erste Österreichische Spar-Casse Anteilsverwaltungssparkasse", ist eine juristische Person und Sparkassen-Holding nach österreichischem Recht. Sie hält 41 Prozent der Aktien der börsenotierten Erste Bank. Wie es am Freitag in einer Pflichtmitteilung hieß, strebt die AVS mit dem Übernahmeoffert keine Veränderungen in der Unternehmenspolitik der CS an. Ein mögliches Delisting der Aktien der CS von der Prager Börse würde die AVS jedoch unterstützen. (APA)

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