Deutschland ist faktisch seit langem ein Einwanderungsland

22. März 2002, 11:08
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Dramatischer Bevölkerungsrückgang gibt Zuwanderungsdebatte neuen Schub

Berlin - In Deutschland leben 7,3 Millionen Ausländer. Das sind neun Prozent der Gesamtbevölkerung. Viele von ihnen sind hier geboren. Faktisch ist Deutschland seit langem ein Einwanderungsland, auch wenn das offizielle Verständnis ein anderes war.

Seit 1954 kamen 31 Millionen Menschen nach Deutschland, 22 Millionen zogen im gleichen Zeitraum weg. Die Nettozuwanderung lag also bei 9 Millionen. Fast 40 Prozent leben hier schon seit mehr als 15 Jahren. Trotz einer Vielzahl von Gesetzen und Verordnungen verlief die Zuwanderung bisher unkoordiniert und ungesteuert. Das Ausländerrecht gilt als kompliziert und nur noch für Fachleute überschaubar.

Nach dem Krieg gab es mehrere Zuwanderungsschübe. Zuerst kamen Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus dem Osten, von Mitte der 50er Jahre an bis zum Anwerbestopp 1973 Millionen "Gastarbeiter".

Bis zum Mauerbau 1961 wurden Flüchtlinge aus der DDR - vor allem die hoch qualifizierten - schnell vom westdeutschen Arbeitsmarkt aufgenommen. Seit vielen Jahren kommen deutschstämmige Aussiedler aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion.

Aus humanitären Gründen nimmt Deutschland Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge vorübergehend oder für länger auf. Ausländer studieren an deutschen Universitäten. In der Landwirtschaft, auf dem Bau und im Hotel- und Gaststättengewerbe helfen Saisonarbeitskräfte. Hinzu kommen schätzungsweise 500 000 bis eine Million Ausländer, die sich ohne entsprechende Erlaubnis in Deutschland aufhalten und in der "Schattenwirtschaft" arbeiten.

Die vom deutschen Regierungschef Gerhard Schröder initiierte Green Card für ausländische Computerspezialisten löste eine umfassende Diskussion über qualifizierte Fachkräfte aus, die auf dem deutschen Arbeitsmarkt nicht zu finden sind.

Trotz hoher Arbeitslosigkeit können Hunderttausende von Stellen nicht besetzt werden. Auch der dramatische Bevölkerungsrückgang mit seinen absehbaren negativen Folgen für die Sozialsysteme gab der Zuwanderungsdiskussion einen neuen Schub.

Sämtliche Parteien und eine Regierungskommission beschäftigten sich mit der Zuwanderung und legten Vorschläge vor. Trotz der grundsätzlichen Übereinstimmung, dass Zuwanderung gesteuert werden muss, gibt es bisher keinen parteiübergreifenden Konsens für ein Gesetz. (APA/dpa)

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