Anti-Berlusconi- Kundgebung bei Pariser Buchmesse

22. März 2002, 14:43
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Demonstranten vergraulen italienische Delegation - Umberto Eco und andere Autoren ebenfalls zum Protest angereist

Paris - Nach massiven Protesten gegen den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi zieht sich die römische Delegation von der Pariser Buchmesse zurück, auf der Italien Ehrengast ist. Die von Kulturstaatssekretär Nicola Bono geleitete offizielle Delegation Italiens sagte am Freitag alle offiziellen Veranstaltungen auf der Messe ab. Wegen der Proteste am Vorabend konnte der Pavillon Italiens auf der Messe nicht feierlich eröffnet werden. Römische Regierungsvertreter machten die Pariser Kulturministerin Catherine Tasca dafür verantwortlich, die Berlusconi kritisiert hatte.

Mehrere Dutzend Gegner Berlusconis hatten die Eröffnung der Pariser Buchmesse am Donnerstagabend erheblich gestört. Mit "Italien ja, Berlusconi nein"-Rufen verwehrten sie Tasca den Zugang zum Italien-Pavillon, wo sie von zwei Staatssekretären der Regierung Berlusconi erwartet wurde. Damit war eine Eröffnung des Pavillons nicht möglich. Tasca missbilligte den Vorfall in einer Mitteilung vom Freitag.

Autoren zum Protest angereist

Die französischen und italienischen Demonstranten hatten gegen die Kultur- und Medienpolitik der Regierung Berlusconi protestiert. Tasca selbst hatte vor Wochen erklärt, Berlusconi nicht die Hand schütteln zu wollen, falls er zu der Eröffnung der Buchmesse nach Paris kommen sollte. Der italienische Staatssekretär für Kulturgüter, Vittorio Sgarbi, warf der Ministerin vor, dafür "verantwortlich" zu sein, dass der italienische Pavillon nicht offiziell eröffnet werden konnte. Auch einige italienische Autoren wie Andrea Camilleri, Vincenzo Consolo und Umberto Eco sind auf eigene Kosten angereist, um so gegen Berlusconis Politik zu protestieren.

Er kam nicht

Berlusconi indes konnte, wie es offiziell hieß, wegen "innenpolitischer Verpflichtungen" nicht persönlich an der Eröffnung der bis zum 27. März dauernden Veranstaltung teilnehmen. Frankreichs Staatspräsident Chirac war ebenfalls nicht zur Eröffnung erschienen. Er befindet sich auf der UN-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung in der mexikanischen Stadt Monterrey.

Auf dem "Salon du livre" sind mehr als 1600 Autoren vertreten. Unter den insgesamt 60 eingeladenen italienischen Schriftstellern befinden sich Andrea Camilleri, Pietro Citati, Valerio Evangelisti, Marcello Fois und Claudio Magris. "Fast alle großen Namen sind vertreten. Leider wurden die jungen Autoren vernachlässigt, ebenso die Frauen", kritisierten Fachleute. (APA/dpa)

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