Ägypter lehnen US-Bericht ab: Kopilot schuldlos an EgyptAir-Absturz

22. März 2002, 10:25
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Behörde habe Stimmrekorder nicht richtig analysiert

Kairo/Washington - Die ägyptische Fluglinie EgyptAir will Einspruch gegen den US-Untersuchungsbericht einlegen, der dem Kopiloten die Schuld am Absturz einer EgyptAir-Maschine vor zweieinhalb Jahren gibt. Die Ägypter sind überzeugt, dass die Boeing 767 wegen eines technischen Defekts vor der amerikanischen Ostküste ins Meer stürzte.

Die US-Transportsicherheitsbehörde NTSB habe einige Worte auf dem Stimmrekorder nicht richtig analysiert und mögliche Defekte im Steuerungssystem der Passagiermaschine nicht berücksichtigt, sagte ein EgyptAir-Pilot in der Nacht zum Freitag in Kairo. Bei dem Absturz Ende Oktober 1999 südöstlich der Insel Nantucket waren alle 217 Menschen an Bord ums Leben gekommen.

In dem am Donnerstag veröffentlichten Abschlussbericht der NTSB wird ein mechanischer Fehler ausgeschlossen. Stattdessen heißt es, der Absturz sei das Resultat des Verhaltens des Kopiloten Gamil el Batuti. Warum er das Flugzeug in den Atlantik stürzen ließ, darüber gebe es keine Erkenntnisse. In der US-Presse war nach dem Ansturz spekuliert worden, der Kopilot habe möglicherweise Selbstmord verübt. EgyptAir hatte diese Theorie immer bestritten. Später hatte es Presseberichte gegeben, wonach Batuti einen Vorgesetzten an Bord in den Tod reißen wollte, weil dieser ihm mit einer Versetzung wegen sexueller Belästigung gedroht habe.

Auf dem Stimmrekorder der Unglücksmaschine ist nach Angaben der NTSB zu hören, wie Batuti, während er die Maschine nach unten steuert, außergewöhnlich ruhig zu Gott betet. Als der Pilot, der das Cockpit kurz verlassen hatte, bei seiner Rückkehr verzweifelt versuchte, die Maschine nach oben zu ziehen, erhielt er laut NTSB keine Hilfe. Auf dem Rekorder ist zu hören, wie er immer wieder ruft: "Zieh mit mir!". Batuti habe darauf nicht reagiert, sondern die Maschine weiter in die Tiefe gesteuert. (APA)

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