Metalle aus Plastik

21. März 2002, 20:02
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Nobelpreisträger Heeger: "Die Plastikelektronik wird die Art, wie wir elektronische Geräte herstellen, revolutionieren"

Linz - "Die Plastikelektronik wird die Art, wie wir elektronische Geräte herstellen, revolutionieren", ist Alan Heeger überzeugt. Im Jahr 2000 bekam der amerikanische Physiker den Nobelpreis für Chemie - für die Entdeckung der elektrischen Leitfähigkeit von Polymeren.

Heute lässt sich der Kunststoff bereits wie Tinte verwenden: Integrierte Schaltungen und Displays (etwa für Handys) können billig und schnell hergestellt werden wie mit einem Tintenstrahldrucker. Weitere Anwendungen: Photodioden, Solarzellen und Laser. "Eines Tages werden vielleicht sogar Polymer-Lampen unsere Glühbirnen ersetzen", so der Nobelpreisträger im Gespräch mit dem STANDARD.

Kunststoffe galten seit jeher als Isolatoren. Denn die Voraussetzung dafür, Strom zu leiten, sind frei bewegliche Elektronen (wie in Metallen), und die kommen in den ordentlich gepackten langen Ketten nicht vor. Heeger dotierte jedoch Polyacetylen, das nur aus Kohlenstoff und Wasserstoff besteht, mit Joddampf und vergrößerte so dessen Leitfähigkeit auf das Milliardenfache. Der Mechanismus dahinter: Jedes Jodmolekül zieht ein Elektron ab. So entsteht ein "Loch", in das ein anderes Elektron "springen" kann - die Elektronen sind beweglich geworden. Bei aller Euphorie: Viele Entdeckungen (wie etwa die Supraleiter) rissen Wissenschafter zu Versprechungen hin, die dann nicht hielten.

Warum ist sich dann Alan Heeger so sicher, dass es bei der Plastikelektronik klappt? "Natürlich gibt es noch viele Probleme zu lösen", gibt der Physiker zu, der Mittwoch an der Uni Linz einen Vortrag hielt. "Aber bei unserem ersten Versuch hatten wir nur einen schwach glimmenden Pixel, der sofort wieder verschwand. Heute stellen wir ein hell leuchtendes Handy- display her, das Tausende Stunden durchhält." (cok, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. 3. 2002)

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