Ötzi: Tod nach Kampf

21. März 2002, 19:48
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Handwunde als neuer Hinweis auf Gewalt

Bozen/Wien - "Wir haben in der rechten Hand des Eismanns eine sehr tiefe Wunde gefunden", berichtet Eduard Egarter Vigl, Gerichtspathologe und Mitarbeiter des Ötzi-Museums in Bozen, dem STANDARD: "Eine so schwere Verletzung entsteht, wenn man mit der Hand etwas abwehren will und sie trotz starker Schmerzen nicht zurückzieht. Das ist ein neuer Beleg für meine Hypothese, dass Ötzi durch die Folgen von Gewalt zu Tode gekommen ist."

Auf die Wunde stieß Egarter Vigl, als er herausfinden wollte, warum die Hand stark verkrampft ist. "Als wir die Finger ein wenig aufgetaut haben, ist in der Handflächenfalte die Wunde aufgegangen", eine Wunde, die zu Lebzeiten entstanden sein muss, weil ihre Ränder blutig unterlaufen sind. Beim Röntgen zeigte sich, dass der Schnitt tief in die Knochen ging, auch der Beugemuskel des Zeigefingers ist durchtrennt.

Trotzdem hielt Ötzi über die 5300 Jahre, in denen er im Eis lag, sein Messer in der Hand. Das will ein Bergführer am Vortag der Bergung der Mumie durch das Eis hindurch gesehen haben. Nach der Bergung - oder: durch sie - waren Messer und Hand getrennt. "Von der Handstellung her hätte das Messer hineingepasst", hat Egarter Vigl gemessen, "vielleicht hat er unter Schmerzen noch damit gearbeitet oder gekämpft." (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. 3. 2002)

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