Arabistik im Höhenflug

21. März 2002, 19:21
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Nahostkrisen als Garant für volle Hörsäle in Wien

Wien - Seit dem 11. September sind nicht nur Flugticketpreise gewaltig gestiegen, auch das Institut für Arabistik der Universität Wien erlebt bei der Zahl der neu zugelassenen Studierenden seit letztem Wintersemester einen wahren Höhenflug. Das kleine Institut mit 226 Studenten verzeichne im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs von rund 50 Prozent, so Professor Stephan Procházka.

Nahostkrisen seien überhaupt ein Garant für volle Hörsäle, weiß der Arabistik-Professor: "Auch Bruno Kreiskys Nahostpolitik und der Golfkrieg brachten der Arabistik kurzfristig erhöhten Andrang." Er rechnet allerdings mit Hörerschwund, sobald sich die mediale Aufmerksamkeit wieder anderen Themen zuwendet. Latente Islam-Antipathie sei derzeit wieder im Vormarsch, so Procházka. Erst kürzlich sprach die italienische Autorin Oriana Fallaci ja gar von der "Kulturlosigkeit" des Islam. "Es gibt Vorurteile, da braucht man nicht mehr weiterreden", kommentiert Procházka trocken.

Dank der Kreativität der rund zehn jährlichen Absolventen lässt sich auch mit der Liebe zum Orient Geld verdienen. Vor allem die Integrationsarbeit für Migranten und Erwachsenenbildung an Volkshochschulen sind beliebtes Tätigkeitsfeld für Arabisten. (mwg, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. 3. 2002)

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