Temelin: Beschränkte Folgen

21. März 2002, 19:20
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Ein Thema nützt sich ab - Dementsprechend halbherzig wurde die parlamentarische Debatte geführt - Ein Kommentar von Samo Kobenter

Im Grunde wissen alle Parteien sehr gut, dass das Atomkraftwerk Temelín ein Thema mit gering gewordenem politischen Aufbereitungspotenzial ist. Bis auf weiteres wird sich daran nichts ändern, und wie es derzeit aussieht, dürfte das AKW nur noch einmal Gefährlichkeit abseits seiner technischen Bresthaftigkeit entwickeln - dann nämlich, wenn Tschechiens Beitritt zur EU ratifiziert wird und die FPÖ ihre Ankündigung wahrmachen sollte, diesen mit Verweis auf den "Pannenreaktor" zu verhindern. Doch auch diese Gefahr wird mit ihrer ausschließlichen Ausrichtung auf die österreichische Regierungskoalition gering bleiben - verglichen mit den tatsächlichen Risken.

Entsprechend halbherzig stritten Regierungsparteien und Opposition im Parlament um das leidige Thema, wobei die argumentative Abnutzung auf beiden Seiten beträchtlich war. Die FPÖ etwa nahm die Vetodrohung nicht einmal mehr in den Mund und wollte nur noch der gute Anwalt der 915.000 Unterzeichner ihres Volksbegehrens sein - ohne ihnen allerdings zu sagen, worin deren Vertretung bestehen soll. Dass eine neue tschechische Regierung mit der FPÖ noch einmal über Temelín verhandelt und das vereinbarte Verhandlungspaket aufschnürt, glaubt nicht einmal Peter Westenthaler, der diesen Unsinn in alle Welt posaunt.

Die ÖVP wiederum hofft weiter auf die "Nullvariante", also das Abschalten des AKWs. Mit nur unwesentlich schlechterer Erfolgsaussicht könnte sie auf baldige wirtschaftliche Nutzung der Kernfusion hoffen. SPÖ und Grüne wieder werfen der Regierung vor, nichts mehr zu unternehmen - was, bitte, soll die jetzt noch tun? Nein, Temelín ist Geschichte, und alle wissen es. Das heißt nicht, dass diese Geschichte keine Folgen haben wird, sie werden lediglich beschränkt bleiben. Hoffentlich. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 23.3.2002)

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