Ein Fest für den Prediger

21. März 2002, 23:44
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Das "Phalter Phrülingsphest phür Phettberg" am Freitag

Wien - Bei kritischer Betrachtung könnte man ganz nüchtern - Vorsicht: lustig! - feststellen, dass Hermes Phettberg fast alles selber besser machen könnte als jene, die ihn heute anlässlich des Erscheinens des 500. "Predigtdienstes", den er für die Wiener Stadtzeitung Falter verfasst hat, ehren werden.

Vorlesen zum Beispiel: Phettbergs fantasievolle Sprache samt seinem unverwechselbaren Idiom von fremden Zungen vortragen zu lassen, erscheint ein wenig wie die deutsche Synchronisation von Oskar Werner in dem Film Jules et Jim.

Auch die Fremdmoderation könnte man hinterfragen: Durch den Abend führen die beiden FM-4-Radio-Anarchisten und Freizeitpatrioten (die Sache mit dem Song Contest!) Dirk Stermann und Christoph Grissemann. Diesbezüglich hat der voluminöse Gefeierte nicht nur mit seiner Phettbergs Nette Leit Show bewiesen, wie souverän und geistreich er als Talkmaster moderieren und durch unvergessene Abende führen kann.

Bei den Skispringer-Liedern, die von den beiden Barden des nordischen Elends, Christoph und Lollo, beim Phalter Phrülings Phest phür Phettberg vorgetragen werden sollen, gerät die Argumentation für eingangs aufgestellte Behauptung zugegeben ins Stocken: Hermes' Schanzenbetrachtungen scheinen schon etwas schwieriger vorstellbar - verdammte Schwerkraft aber auch!

"Patriotistische TV-Beobachtungen", wie sie die Spaßfraktion von Maschek für ihn heute vorgesehen hat, sollten ebenfalls hinterfragt werden, erscheinen sie doch bei einem sensibel-ernsthaften Wesen wie ein Spaziergang auf dünnem Eis.

Ob Phettberg allerdings DJ-tauglich wäre, wird sich wohl nie wirklich feststellen lassen. Darum übernehmen diesen Job Witzezeichner Tex Rubinowitz und die beiden Falter-Musikautoren Sebastian Fasthuber und Gerhard Stöger.

Müsste! Sollte! Könnte! Wer will schon als nägelbeißender Kleingeist dastehen, wenn es darum geht, einen einzigartigen Kolumnisten und unvergleichlichen Fernsehgott zu würdigen, den eventuell ehrlichsten Menschen dieses Landes?

Also kommet offenen Herzens und in Scharen und lauschet den obsessiven Sprachgeburten des großen Hermes Phettberg! Amen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. 3. 2002)

Von
Karl Fluch

Focky 31,
Wien 12.,
Fockygasse 31.
22. 3.
Beginn 20.00
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