Direktvertrieb auf Kundenfang

21. März 2002, 19:28
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Telefonanbieter liefern einander Schlagabtausch wegen "Haustürgeschäften"

Wien - Immer mehr Telefonbetreiber lagern die Kundenakquisition an so genannte Direktvertriebsfirmen aus. Dabei wachen sie mit Argusaugen darauf, dass sich diese Firmen bei ihren aggressiven Verkaufsmethoden nicht unlauterer Methoden bedienen.

Jüngster Fall: Ein Match zwischen Telekom Austria (TA) und Tele.ring. Nachdem die TA vor Gericht beeinsprucht hatte, manche der von Tele.ring beauftragten Drittfirmen hätten mit unlauteren Methoden Neuverträge erschlichen, schlägt Tele.ring zurück. "Rechtliche Schritte sind möglich", sagt Tele.ring-Sprecher Walter Sattlberger.

"Strenber Verhaltenskodex"

Wegen massiver Marktanteilsverluste hat die TA begonnen, ebenfalls Direktvertriebsfirmen zu beauftragen - etwa die oberösterreichische Firma Intervista, von der sich Tele.ring nach Beschwerden getrennt hatte. "Wir arbeiten mit einem strengen Verhaltenskodex", sagt TA-Sprecher Martin Bredl.

Konkurrent Tele.ring sieht das anders. "Sollten wir draufkommen, dass eine Firma, die im Namen der Telekom Austria Neuverträge verkauft, womöglich auf den Adressbestand aus der Tele.ring-Zeit zurückgreift, werden wir klagen", sagt Sattlberger.

Mittlerweile 40 Unternehmen

Mittlerweile gibt es an die 40 Unternehmen in Österreich, die im Auftrag von Telefonbetreibern versuchen, Neukundschaft an Land zu ziehen, indem sie Kunden zum Übertritt zu einem anderen Anbieter verführen. Dabei geben sich die Keiler auch als Vertreter einer bekannten Telefonfirma aus und werben dann für einen ganz anderen Anbieter, weiß Georg Rathwallner von der Arbeiterkammer Oberösterreich. Auch würden Konsumenten unter Zeitdruck gesetzt, Motto: Diesen Tarif kann ich Ihnen nur noch bis Freitag anbieten.

In einem Verfahren, das die TA für sich entschieden hat, waren Tele2-Verkäufer mit dem Argument unterwegs, beim Neuabschluss falle keine Grundgebühr an. Was nur ein Teil der Wahrheit ist, denn das Entgelt ist weiterhin an die TA zu entrichten. Tele2-Chef Norbert Wieser dazu: "Dieser Aufforderung wären wir auch ohne einstweilige Verfügung nachgekommen. Tele2 weist seit langem in seiner Werbung auf die höhere Grundgebühr des Tik-Tak-Tarifs der TA im Vergleich zum Minimumtarif hin. Wir empfehlen unseren Kunden daher in den Minimum-Tarif der TA zu wählen und mit Tele2 einfach billig zu telefonieren." (ruz, red, DER STANDARD, Printausgabe 22.3.2002)

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