Anschwellender Protest an den Universitäten

21. März 2002, 19:48
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Geplatzte Sitzung in Innsbruck, Streit um Boykott der Kunstuni Wien, Gehrer will beruhigen

Wien/Innsbruck - Der Protest an den Universitäten gegen die Pläne des Bildungsministeriums (Autonomie und stärkere hierarchische Gliederung) nimmt an Schärfe zu: In Innsbruck ist am Donnerstag erstmals eine Sitzung des Uni-Senats geplatzt. Auf der Tagesordnung: die Unireform.

Assistenten, Studierende und sonstige Bedienstete boykottierten die Sitzung - der Senat war dadurch nicht beschlussfähig. "Wir protestieren gegen die Frotzelei durch das Ministerium", sagte der Vorsitzende des Dienststellenausschusses Ludwig Call. Statt der im Herbst versprochenen Diskussion liege ein verschärfter Entwurf vor. Die Autonomie werde massiv beschänkt, da im geplanten Unirat Universitätsfremde, also "Ignoranten", sitzen dürfen. Die Mitbestimmung werde abgeschafft, da nur mehr der Senat - eingeschränkt - Mitsprache habe. Und die Assistenten seien darin nur minimal vertreten. Der frühere Senatschef Hans Winkler spricht von einer "Provokation". Auch die Professoren hätten kaum mehr etwas mitzureden. Winkler kann sich als Protest auch "passive Resistenz in der Lehre" vorstellen.

Brinek kontra Bast

Am Vortag hatte bereits die Universität für angewandte Kunst in Wien zum Gesetzesboykott aufgerufen. Das wiederum empörte VP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek: "Wenn ein Spitzenbeamter des Wissenschaftsministeriums in Karenz zum Gesetzesboykott aufruft, wird nicht nur er unglaubwürdig, sondern bringt alle Hochschullehrer in Misskredit, die diese Gesetze als Rektor zu vollziehen haben", spielte sie in einer Aussendung auf Basts frühere Tätigkeit im Ressort an. Seine eigene Vorarbeit unterscheide sich nicht sehr stark vom jetzigen Text. Der Gesetzesentwurf sei außerdem ja noch in Begutachtung.

"Kein Grund zur Aufregung", meinte auch Bildungsministerin Elisabeth Gehrer gegenüber dem STANDARD. Wer jetzt schon Dozent sei, werde seine Aufgaben selbstverständlich nicht verlieren. Es sei außerdem überlegenswert, mit Geldern aus dem Topf der 56,5 Millionen Euro Forschungssondermittel befristete Professorenstellen zu schaffen, für die sich "tolle" Dozenten eigneten. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.3.2002, bs, mon)

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