Filmindustrie zittert bereits vor Internet-Tauschbörsen

21. März 2002, 18:28
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Erste private Tauschbörse für Spielfilme in den USA

Ganze Hollywood-Spielfilme werden bald von Jedermann kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden können. Denn dasselbe Problem, das derzeit die Musikindustrie mit den kostenlosen privaten Online-Musiktauschbörsen hat, kommt mit Sicherheit auch auf die Filmindustrie zu, waren sich Vertreter der heimischen Musikwirtschaft am Donnerstag bei einem Pressegespräch in Wien einig.

Filme schon vor dem Kino-Start

In den USA gibt es laut den Experten bereits einen so genannten peer-to-peer (P2P)-Dienst, mit dem komplette Spielfilme aus dem Internet herunter geladen werden können, oft schon vor ihrem offiziellen Kino-Start. Nicht zuletzt aus diesem Grund führt die US-Filmindustrie gemeinsam mit der Musikindustrie einen Musterprozess gegen die bekannten P2P-Dienste Morpheus, Grokster, Musiccity und Kazaa. Diese privaten Netzwerke ermöglichen den Benutzern, direkt miteinander zu kommunizieren und nach jedem digitalen File im gesamten Netzwerk zu suchen und abzurufen.

Sicherheit und Rechtslage

Einen legalen Online-Musikdienste aufzubauen sei bedeutend schwieriger, sagte der Geschäftsführer der IFPI Austria, Manfred Medwenitsch. Nicht nur müssten die rechtlichen Belange abgeklärt sondern auch eine hohe technische Sicherheit garantiert werden. "Bei einem P2P-Dienst macht es nichts aus, wenn der Download nicht funktioniert oder abgebrochen wird", meinte Medwenitsch. Auch die Virensicherheit spiele eine Rolle. Die Musikwirtschaft befinde sich in einer extrem schwierigen Situation.

Die derzeit aktiven und legitimierten Online-Musikdienste in den USA machten gerade einmal einen Umsatz von 1 Mill. Dollar (1,14 Mill. Euro) auf einem 40 Mrd. Dollar schweren Markt. "Damit liegen sie nicht ein Mal im Promille-Bereich", so IFPI Austria-Präsident und Warner Music Austria-Chef Manfred Lappe über den Erfolg der Bezahl-Dienste im Internet.

Die dritte Generation

P2P-Dienste sind bereits die dritte Generation der Gratis-Tauschbörsen im Internet. Am Anfang standen zentrale Server, auf denen mp3-Musikfiles gespeichert waren und über Internet gratis heruntergeladen werden konnten. Die nächste Generation, repräsentiert zum Beispiel durch Napster, zeichnete sich dadurch aus, dass nicht mehr die kompletten Musikfiles, sondern nur noch die Titellisten und Adressen der Musikfiles zentral gespeichert waren. Bei der aktuellsten nunmehr dritten Generation werden auch die Titellisten nicht mehr zentral, sondern wie die Musikfiles in einem Netzwerk privater PCs gespeichert.

Die P2P-Technik gilt bei Experten auch sonst als besonders zukunftsträchtige Technik: Mit dem Verteilen großer Rechenoperationen auf viele Computer könnten sich private PCs an großen Aufgaben beteiligen.(APA)

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