Mysteriöse Andeutung Djindjics löst Spekulationen aus

21. März 2002, 16:45
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Serbiens Premier in Richtung UNO: "Belgrad wird demnächst sein Image im Ausland verbessern"

Belgrad - Der serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic hat am Donnerstag mit einer geheimnisvollen Andeutung aufhorchen lassen. Er erklärte, dass Belgrad "demnächst" etwas unternehmen werde, "um sein Image im Ausland zu verbessern". In Serbien wird dieser Satz in Verbindung mit dem 31. März gebracht. An diesem Tag läuft die vom US-Kongress gesetzte Frist für die Aufnahme einer vollen Zusammenarbeit mit dem UNO-Kriegsverbrechertribunal ab. Bei Nichteinhaltung könnte sich Serbien mit dem Entzug der heurigen US-Finanzhilfe in Höhe von 114 Mio. Dollar (129,3 Mill. Euro/1,78 Mrd. S) konfrontiert sehen.

Nähere Angaben über die geplanten Schritte machte Djindjic nicht. Der serbische Premier hatte sich zuletzt aber öfters dafür ausgesprochen, jene vier Spitzenpolitiker, die gemeinsam mit dem früheren jugoslawischen Staatspräsident Slobodan Milosevic wegen verschiedener Verbrechen im Kosovo angeklagt wurden, an das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag auszuliefern. Es handelt sich dabei um den serbischen Präsidenten Milan Milutinovic, den jugoslawischen Ex-Verteidigungsminister Nikola Sainovic, den einstigen serbischen Innenminister Vlajko Stojilkovic und den ehemaligen jugoslawischen Generalstabschef Dragoljub Ojdanic. Im Februar sagte Djindjic anlässlich des Besuchs von Bundespräsident Thomas Klestil in Belgrad, es gebe in dieser Frage keine Alternative. "Ich bin für Kooperation und gegen jedes Risiko für dieses Land. Wären sie ehrenhafte Männer hätten sie sich selbst gestellt. Wenn sie sich nichts vorwerfen müssen, wird sich das ohnehin herausstellen."

Für seine Regierung gebe es keine Probleme hinsichtlich einer Kooperation mit Den Haag, erklärte Djindjic auch am Mittwoch bei einer Kundgebung in der zentralserbischen Stadt Valjevo. Seiner Ansicht nach sei "es auch nicht von ausschlaggebender Bedeutung, ob etwas im März oder April passiert". Die Entscheidung über die Auslieferung mutmaßlicher Kriegsverbrecher wird von der serbischen Regierung gefasst werden. In der jugoslawischen Koalition wurde nämlich keine Einigung über die gesetzliche Regelung der Zusammenarbeit mit dem UNO-Tribunal erzielt. Die Chefanklägerin des UNO-Tribunals Carla del Ponte hat Belgrad unterdessen erneut aufgefordert, den bosnisch-serbischen Militärkommandanten Ratko Mladic festzunehmen und an das UNO-Tribunal zu überstellen. Nach ihren Angaben hält sich Mladic weiterhin in Serbien auf.(APA)

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