Blutiges kurdisches Neujahrs-Fest

21. März 2002, 19:04
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Türkei: Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei begleiten Newroz-Feiern - Mehrere Todesopfer, Dutzende Verletzte

Itanbul/Mersin - Die kurdischen Neujahrsfeiern sind am Donnerstag in der südtürkischen Stadt Mersin von Straßenschlachten begleitet worden. Die Polizei ging mit gepanzerten Fahrzeugen und Tränengas gegen Demonstranten vor, die Steine und Holzknüppel warfen. Ein Mann starb, als er zwischen einem Polizeifahrzeug und der Wand einer Moschee eingeklemmt wurde. Wie die halbamtliche Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi berichtete, wurden mehr als 40 Polizisten verletzt. Wie viele Demonstranten verletzt wurden, war zunächst unklar.

Auch in Istanbul kam es zu Polizeieinsätzen mit Schlagstöcken und Wasserwerfern. Dort nahm die Polizei vorübergehend mehr als 350 Menschen fest. Aus anderen Städten, in denen die prokurdische Hadep- Partei offiziell genehmigte Newroz-Feiern organisiert hatte, wurden bis zum Nachmittag keine größeren Zwischenfälle bekannt. Der Vorsitzende des Istanbuler Menschenrechtsvereins IHD, Eren Keskin, kritisierte das Veranstaltungsverbot in Istanbul. "Weil wir keine Erlaubnis bekommen haben, ist das Befürchtete eingetreten."

Polizisten verunglückt

Bereits vor Beginn der Krawalle in Mersin war ein gepanzertes Polizeifahrzeug von einer Überführung zehn Meter tief auf eine Straße gestürzt. Dabei starben zwei Polizisten, ein dritter wurde schwer verletzt.

In der Türkei feiern Kurden Newroz als Neujahrs- und Nationalfeiertag, Türken dagegen als Frühlingsfest. Dazu gehört traditionell das Anzünden von Eichenholz. Meist werden heutzutage allerdings Autoreifen verbrannt, was die Behörden im Vorfeld unter Androhung von Strafen verboten hatten.

Hungerstreik: 49. Todesopfer

Unterdessen hat der seit mehr als einem Jahr andauernde Hungerstreik von Häftlingen in der Türkei hat am Donnerstag das 49. Todesopfer gefordert. Wie der türkische Menschenrechtsverband am Donnerstag mitteilte, starb in Izmir der 30 Jahre alte Tuncay Yildirim, der wegen seiner Mitgliedschaft in der kommunistischen TKP/ML inhaftiert worden war. Er war im Februar wegen seines schlechten Gesundheitszustands aus dem Gefängnis entlassen worden.(APA/dpa)

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