Rechtsextreme Gewalt in Bayern nimmt zu

21. März 2002, 15:48
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Innenminister Beckstein attestiert Anwachsen der Skinhead-Szene auf etwa 900 Personen

München - Die rechtsextreme Gewalt in Bayern hat im vergangenen Jahr zugenommen. Die Zahl der meist von Skinheads verübten Angriffe sei von 60 auf 72 gestiegen, berichtete Innenminister Günther Beckstein (CSU) am Donnerstag in München. Die rechte Skinhead-Szene sei um etwa 120 auf 900 Mitglieder gewachsen.

Laut dem Jahresbericht des bayerischen Verfassungsschutzes nahmen die rechtsextremen Straftaten insgesamt von 1574 auf 1768 zu. Die Zahl sei aber wegen einer neuen Zählweise nur bedingt vergleichbar. Beckstein warnte zudem vor einer weiter bestehenden Gefahr durch islamistische Terroristen. Deutschland sei mögliches Anschlagsziel. Konkrete Hinweise gebe es derzeit aber nicht.

Bei den 1.768 rechtsextremen Delikten handelte es sich neben den Gewalttaten um die Verbreitung sowie Verwendung von Nazipropaganda und -symbolen, Nötigung, Bedrohung und Sachbeschädigung. Die Rechtsradikalen nutzten dabei zunehmend auch SMS, um Drohungen und Einschüchterungen zu verschicken. Bundesweit waren nach früheren Angaben des niedersächsischen Innenministeriums im vergangenen Jahr 10.400 Skinheads gezählt worden, 700 mehr als ein Jahr zuvor.

In Bayern ist die Zahl der etwa 8.000 Rechtsextremen insgesamt seit mehreren Jahren weitgehend unverändert, wie es im Verfassungsschutzbericht heißt. An Bedeutung abgenommen hätten die Republikaner und die DVU, sagte Beckstein. Die NPD hingegen mache sogar im Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht öffentlich, dass sie gezielt Skinheads werbe. "Es wird als soziale Leistung ausgegeben, dass man die Skinheads an die politische Arbeit heranführt", sagte Beckstein.(APA/dpa)

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