Hussaini nach verfassungswidrigem Gesetz verurteilt

21. März 2002, 16:06
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Nigerias Regierung: Die Anwendung der Sharia gefährdet die Stabilität und Einheit der Nation

Abuja/Lagos - Die Anwendung der islamischen Scharia-Strafgesetze in mehreren Teilstaaten Nigerias ist nach einer Feststellung der nigerianischen Bundesregierung verfassungswidrig. Wie die Presse des westafrikanischen Landes am Donnerstag berichtete, hat Justizminister Kanu Agabi dies in einem Schreiben an die Gouverneure der mehrheitlich moslemischen 19 nördlichen Gliedstaaten hervorgehoben. "Kein moslemischer Staatsbürger" dürfte für die gleiche Straftat einer anderen Strafgesetzgebung unterworfen werden wie Staatsbürger anderer Religionszugehörigkeit.

"Die Stabilität, Einheit und Integrität der Nation sind gefährdet" ...

... heißt es in dem Schreiben des Ministers, der die Respektierung der verfassungsmäßig garantierten Rechte der Staatsbürger fordert. Im moslemisch geprägten Norden Nigerias hat es in den vergangenen Jahren mehrfach blutige Kämpfe zwischen MuslimInnen und ChristInnen wegen der Scharia gegeben; Tausende Menschen kamen dabei ums Leben. Die Unruhen waren ausgebrochen, als in dem konfessionell gemischten Teilstaat Kaduna mit einem vierzigprozentigen Anteil von ChristInnen die Scharia eingeführt werden sollte. Als erster Teilstaat hatte Zamfara 1999 die Scharia eingeführt.

Seit vergangenem Oktober hängt über der 33-jährigen Safiyatu Hussaini eines der barbarischsten Todesurteile, das das islamische Recht vorsieht. Sie soll als erste seit Einführung der Scharia im Teilstaat Sokoto wegen Ehebruchs zu Tode gesteinigt werden. Ein Berufungsgericht hat am Montag seine Entscheidung über die vom Tod durch Steinigung bedrohte Frau auf nächsten Montag vertagt (dieStandard.at berichtete).
(APA)

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