Stadt Salzburg setzt auf Lebensrettung und Prophylaxe

21. März 2002, 16:00
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Kostenlose Hotline für Schwangere in Not und Studie zu psychischen Störungen initiiert

Salzburg - Ein komplettes Maßnahmenpaket für Schwangere in Notsituationen präsentierte die Salzburger Landesrätin Maria Haidinger bei einem Pressegespräch in der Stadt Salzburg. In einer kostenlosen Krisenhotline erhalten ab sofort verzweifelte Frauen rund um die Uhr psychologische Beratung. Gleichzeitig wird ein zweijähriges psychologisches Begleitprojekt gestartet, in dem 4 000 betroffene Frauen in drei Salzburger Spitälern interviewt werden.

Nach "lebensrettenden" Maßnahmen seien "prophylaktische" vonnöten

Nachdem durch die Legalisierung der anonymen Geburt und die Installierung eines Babynestes im Salzburger Landeskrankenhaus bereits "lebensrettende Maßnahmen getroffen worden sind, müssen jetzt gezielte prophylaktische Maßnahmen gesetzt werden", erklärte Haidinger. In einer groß angelegten Informationskampagne sollen die Beratungs- und Betreuungsmöglichkeiten bekannt gemacht werden. Im ganzen Land Salzburg werden jetzt Informationsfolder an niedergelassene ÄrztInnen, Jugendämter, Familienberatungsstellen, Krankenhäuser, Sozialämter und Schulen verschickt. Diese Folder, die über anonyme Geburt, Babynester und Adoption Auskunft geben, wurden in mehreren Sprachen gedruckt.

Die Krisenhotline "800-539-935" wird von der Kriseninterventionsstelle Pro Mente betreut, die jährlichen Kosten dafür von rund 5 300 Euro trägt aber das Familienressort des Landes. Die psychologische Studie, die der Salzburger Kinderarzt und Neonatologe Josef Rücker leitet, untersucht "das Wohlbefinden der Schwangeren im Salzburger Diakonissenkrankenhaus, im St. Johanns-Spital und im Krankenhaus in Hallein", erklärte Rücker. "Fünf bis 20 Prozent der Frauen in Salzburg leiden in der Schwangerschaft unter schweren Depressionen bis hin zur Verzweiflung."

Fragebögen zu psychischen Störungen

Spezielle Fragebögen seien für diese Umfrage ausgearbeitet worden. "Von dieser Studie erhoffen wir uns in zwei Jahren wertvolle Ergebnisse über psychische Störungen während der Schwangerschaft und nach der Geburt", ergänzte die Landesrätin. Dadurch könnten Kurzschlusshandlungen wie Kindes-Weglegungen vermieden werden. Rund 36 300 Euro koste das Pilotprojekt und die Informationskampagne, die Gelder würden ausschließlich aus dem Familienressort kommen, betonte Haidinger.

Entgegen den Berichten einzelner Medien fanden im Salzburger Landeskrankenhaus bereits drei anonyme Geburten, im Halleiner Krankenhaus eine anonyme Geburt statt. Von den Salzburger Spitälern hätten sich bis heute nur die beiden Krankenhäuser in Zell am See und in Tamsweg geweigert, die anonyme Geburt anzubieten. "Dort müssen die Ängste der Krankenhausleitungen, die noch ein Problem mit dem Handling haben, ausgeräumt werden", sagte Haidinger. "Wir werden uns bemühen, diese Spitäler mit ins Boot zu bringen".

(apa)

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