Machtprobe zwischen Mobilcom und France Telecom eskaliert

21. März 2002, 16:06
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Schmid übt Verkaufsoption aus - Streit über UMTS-Ausbau

Der Machtpoker zwischen Mobilcom-Chef Gerhard Schmid und France Telecom um die Zukunft des Mobilfunkunternehmens spitzt sich zu: Schmid kündigte am Donnerstag an, er wolle eine Entscheidung erzwingen. Entweder stellten die Franzosen die erforderlichen 1,3 Mrd. Euro für den Ausbau des deutschen UMTS-Netzes bereit, oder die France Telecom müsse Mobilcom ganz übernehmen. "Es gibt nur Schwarz oder Weiß", sagte Schmid in Hamburg auf der Bilanzpressekonferenz.

Klarheit

Dagegen betonte der Vorstandsvorsitzende des französischen Konzerns, Michel Bon, Schmid könne seine Verkaufsoption nur dann ausüben, wenn klar sei, dass er nicht gegen die Verträge verstoßen habe. Ob dies so sei, werde ein derzeit laufendes Prüfverfahren klären. Wenn France Telecom Schmid auszahlen und für die Schulden von Mobilcom aufkommen müsste, würde das sein Unternehmen noch einmal sechs bis sieben Mrd. Euro kosten, sagte Bon auf der Bilanzpressekonferenz.

France Telecom hat seine bisherigen Mobilcom-Investitionen von 3,19 Mrd. Euro bereits in voller Höhe in der Bilanz 2001 abgeschrieben. Nach dem Willen von Bon soll Mobilcom seine teuren Pläne eindampfen und sich an der Konsolidierung des deutschen UMTS-Marktes beteiligen.

Verkaufsoption von 33 Prozent

Schmid bestätigte, dass er am vergangenen Freitag eine Verkaufsoption von 33 Prozent aus dem Vertrag mit France Telekom ausgeübt habe. France Telecom habe aber abgelehnt, weil es die Begründung nicht anerkenne. Nun komme ein Verfahren in Gang, in dessen Verlauf geklärt werde, wer Recht habe, sagte Schmid.

Schmid und France Telecom streiten seit Wochen darüber, wie hoch die Investitionen in den Aufbau des deutschen UMTS-Netzes sein sollen. Schmid will 1,3 Mrd. Euro ausgeben, France Telecom, das 28,5 Prozent an dem Unternehmen hält, nur einige hundert Mill. Euro.

Schmid begründete seinen Schritt damit, dass er die Interessen der Aktionäre schützen müsse. Nach seiner Einschätzung ist es wichtig, schnell Kunden auf dem UMTS-Markt zu finden, um die gigantischen Investitionen für die Lizenzen wieder hereinzuholen. France Telecom verzögere aber den Prozess. Laut Schmid ist das Unternehmen durch den Streit gelähmt. Schmid selbst hält 39,7 Prozent der Anteile und seine Frau hält 10,7 Prozent. Verhandlungen mit Banken über eine Übernahme seiner Anteile gebe es nicht. Zeitungen hatten das berichtet.

Hilfe

Nach Angaben des für Finanzen zuständigen Vorstandsmitglieds Thorsten Grenz hat Mobilcom derzeit kurzfristige Schulden von 5,8 Mrd. Euro. Davon 4,7 Mrd. Euro müssten im Juli neu finanziert werden. "Wir brauchen die Hilfe von France Telecom, um das zu refinanzieren", sagte er. Falls die Refinanzierung ausbleibt, ist das Unternehmen laut Geschäftsbericht in Gefahr.

France Telecom-Chef Bon sagte, ein anderes Szenario sehe vor, dass alles so bleibe, aber "ohne Schmid". Dann würde sich das deutsche Unternehmen an der notwendigen Konzentration in der Branche beteiligen und seine Investitionen bis dahin auf ein Minimum reduzieren. Ein Streit vor Gericht könnte Mobilcom nach Einschätzung von Beobachtern in den Konkurs führen, da währenddessen keine Gelder aus Frankreich fließen.(APA/AP)

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