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22. März 2002, 14:28
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Die Österreichische Krebshilfe will per Mail-Remainder die Häufigkeit der Vorsorgeuntersuchungen erhöhen - mit Grafik

Wien - Die einfachste Form für Frauen, nicht auf die von den ExpertInnen dringend geratenen regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen auf Gebärmutterhals- und Brustkrebs zu vergessen: die Teilnahme am neuen E-Mail-Erinnerungsprogramm der Österreichischen Krebshilfe. Würde die überwiegende Mehrheit der Frauen zu den Tests gehen, könnten die Krebs-Todeszahlen deutlich gesenkt werden, erklärte Krebshilfe-Präsident Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda bei einer Pressekonferenz in Wien.

Jährlich 1600 Brustkrebs-Opfer

Der Gynäkologe und Geburtshelfer im Interview: "In Österreich erkranken pro Jahr an die 5 000 Frauen an Brustkrebs, etwa 1 600 sterben daran. Würden 85 Prozent der Frauen regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung gehen, könnte man die Anzahl der Todesfälle um rund 500 reduzieren." Im frühen Stadium diagnostiziert, ist fast jede Mammakarzinom-Erkrankung heilbar, verstümmelnde Operationen können unterbleiben.

Ähnlich ist die Situation beim Gebärmutterhalskrebs (Cervixkarzinom): Zwar ist die Zahl der invasiven Erkrankungen (fortgeschrittenes Stadium) von ehemals noch rund 900 pro Jahr auf derzeit rund 500 zurück gegangen, doch sterben immer noch rund 300 Frauen in Österreich an dieser Form von Krebs. Dabei könnten gerade bei dieser Krankheit die Opferzahlen dramatisch reduziert werden, weil die Abstrichuntersuchung einfach ist und sich die Krankheit relativ langsam entwickelt.

Höherer Bildungsgrad, niedrigere Untersuchungsdichte

Weil aber eine Umfrage der Österreichischen Krebshilfe ergeben hat, dass gerade besser ausgebildete, berufstätige Frauen beispielsweise am seltensten zur Mammographie gehen (Hochschulabsolventinnen zu 67 Prozent noch nie, Maturantinnen zu 55 Prozent noch nie, Frauen mit Lehre zu 52 Prozent noch nie), setzt das neue Programm der Krebshilfe bei Internet und E-Mail an.

Die Kernpunkte

Durch Anmeldung samt Eingabe eines selbst gewählten Passwords über einen Button der Homepage der Österreichischen Krebshilfe dann weiter über "Aus Liebe zum Leben" - Vorsorgemodul kann jede Frau die zuletzt durchgeführte Untersuchung eintragen. Sie erhält dann zum richtigen Zeitpunkt eine Erinnerung für den nächsten Check per E-Mail. Da es zu keinem Transfer persönlicher Daten kommt und gleichzeitig die Kalendereintragungen anonymisiert sind, sollte es keine Bedenken bezüglich des Datenschutzes geben.

Und daran erinnert das Programm:

  • Ein Mal im Jahr Krebsabstrich beim Gynäkologen ab dem 20. Lebensjahr (Cervixkarzinom-Früherkennung).

  • Mammographie zumindest alle zwei Jahre im Alter zwischen 40 und 70.

  • Monatliche Brustselbstuntersuchung.

  • Jährliche Brust-Tastuntersuchung durch den Arzt.

    Laut Krebshilfe-Geschäftsführerin Doris Sommer sollen mit dem Service im ersten Jahr 45.000 Frauen zur Vorsorge gewonnen werden. Eine Ausdehnung auf andere Krebserkrankungen ist geplant. Das Problem: Zum Beispiel bei häufigen Krebserkrankungen des Mannes, zum Beispiel beim Prostatakarzinom, ist die Medizin noch auf der Suche nach der Erfolg versprechendsten Früherkennungs-Strategie.

    Internet und Papierpost

    Dr. Andres Philipp, der mit seinem Unternehmen Planetcom das Programm erstellt hat: "Das Internet ist das vielseitigste und kostengünstigste Dialogsystem für Informationen." In Österreich sind bereits 57 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen Internetnutzer. Hier läge noch viel an ungehobenem Gesundheitsvorsorge-Potenzial über individualisierte Programme.

    Ideal wäre natürlich die Ergänzung des Krebshilfe-Angebots durch eine österreichweite Erinnerungsaktion zur Vorsorgeuntersuchung an alle Erwachsenen per Brief. In Sachen Brustkrebs gibt es das in einzelnen Bundsländern. Sevelda: "Flächendeckend ist das einfach nicht umsetzbar." - Gesundheit ist primär "Ländersache".

    (apa)

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