Krankl auf der Suche nach dem Respekt

24. März 2002, 18:00
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Von den sogenannten Routiniers blieben im Kader für das Spiel gegen die Slowakei nicht viele übrig - Mehrere Neuzugänge

Eisenstadt – Als Hans Krankl unlängst in Venedig weilte, um das Spiel gegen Brescia mit Markus Schopp anzuschauen, hat er mitbekommen, wie es um den österreichischen Fußball steht. Die Geschichte ist zwar nicht wirklich aufregend, weil abgesehen von der persönlichen Kränkung nichts Weltbewegendes passiert ist. Es ist vielmehr ein Schwank aus dem Leben des neuen Teamchefs.

"Wir sind nix wert"

Er wollte also vier (statt wie ausgemacht zwei) Karten, der Provinzklub lehnte ab. Krankl möge sich doch schleichen, wurde ihm auf Italienisch klar gemacht. Der Stachel saß tief. "Das Stadion schaut aus wie ein Häusl, da hockt einer in einem Kiosk, der ein besseres Pissoir ist. Die haben mich schlecht behandelt. Dabei bin ich immerhin der Krankl." Auf Österreichs Fußball gemünzt heißt das: "Wir sind nix wert." Folgerung: "Wir müssen uns Respekt erarbeiten."

Altersschnitt gesenkt

Krankl hat im Schloss Esterházy zu Eisenstadt seinen ersten Kader vorgestellt, das ist seine Pflicht, hat mit Respekt wenig zu tun. Am Mittwoch debütiert er in Graz gegen die Slowakei. "Bei mir herrscht eine gesunde Wettkampfnervosität." 18 Kicker wurden einberufen, genießen Krankls erstes Vertrauen. "Auch wenn die Decke dünn ist, Spieler findet man immer." Ob der Kader ein revolutionärer ist, sei dahingestellt, jedenfalls wurde der Altersschnitt von 29,2 auf 26,1 Jahre gesenkt. Im Vergleich zum letzten Länderspiel, dem 0:5 gegen die Türkei.

Neu: Hickersberger, Panis und Höller

Krankl setzt auf drei Routiniers, auf Andreas Herzog, Ivica Vastic und auf Michael Baur. "Die wissen aus der Vergangenheit, wie es ist, wenn man Respekt genießt." Völlig neu sind Thomas Hickersberger ("ein Allrounder"), Jürgen Panis ("hat es verdient") und Thomas Höller ("kampfstark"). Andere wie etwa Roland Goriupp, Ferdinand Feldhofer, Roland Linz ("eine Hoffnung") oder René Aufhauser wurden zwar schon irgendwann einberufen, gekickt haben sie im Team nie.

Tandem Herzog – Vastic

Treffpunkt ist am Sonntag in Bad Tatzmannsdorf (weil Burgenland-Länderspiel, Sponsorvertag wurde bis 2006 verlängert, das so nebenbei). Krankl wird Einzelgespräche führen, speziell mit Herzog und Vastic. "Dieses Tandem liegt mir am Herzen. Es muss zu schaffen sein, dass die beiden harmonieren." Mit Kapitän Herzog habe er sich übrigens schon ausführlich unterhalten. "Sonst mit keinem."

Stammsuche

Ehe die EM-Qualifikation anhebt, kann viermal geprobt/ verloren werden. Auf die Slowakei folgen Kamerun, Deutschland und die Schweiz. Krankl ist das Programm recht. "Lieber als Andorra oder Albanien. Obwohl man auch die erst schlagen muss." Über taktische Finessen wollte er sich nicht äußern. "Ich will mich niemals nach dem Gegner richten. Obwohl alle besser sind als wir." Es gehe nun darum, einen Stamm zu finden. "Ich will Leute, die sich den Arsch aufreißen."

Krankl mischt auch in U-21 mit

Krankl wird künftig die Klubs besuchen. Und sich sämtliche Legionäre anschauen. "Sogar die, die man gar nicht kennt. Zum Beispiel den Landerl." Auch bei der Erstellung des U-21-Kaders werde er mitmischen, das ist mit Nachwuchstrainer Willi Ruttensteiner abgesprochen.

Gegen die Slowakei erwarte er "keine Gala, sondern ein anständiges Spiel. Aber ich lebe schon für den Sieg." Abgesehen davon sei er sich folgender Tatsache bewusst. "Ich kann nichts schlechter machen." Respekt. (DER STANDARD-Printausgabe, Freitag, 22. März 2002, Christian Hackl)

  • 18-Mann-Kader für das freundschaftliche Fußball-Länderspiel gegen die Slowakei am 27. März in Graz (20:30 Uhr):

    Tor: Alex Manninger (Fiorentina), Roland Goriupp (FC Kärnten)

    Abwehr: Michael Baur (FC Tirol), Ernst Dospel (Austria Wien), Ferdinand Feldhofer (Rapid), Thomas Hickersberger (SV Salzburg), Martin Stranzl (1860 München)

    Mittelfeld: Andreas Herzog (Rapid), Stefan Lexa (Unterhaching), Markus Weissenberger (1860 München), Thomas Höller (FC Kärnten), Richard Kitzbichler (SV Salzburg), Jürgen Panis (FC Tirol), Rene Aufhauser (GAK)

    Angriff: Roman Wallner (Rapid), Roland Linz (Austria Wien), Ivica Vastic (Sturm Graz), Ronald Brunmayr (GAK)

    Auf Abruf: Helge Payer (Rapid), Markus Hiden (Rapid), Gerd Wimmer (Eintracht Frankfurt), Michael Wagner, Christian Mayrleb (beide Austria Wien).

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