Vorarlberger GKK rechnet mit dramatischen Abgängen

21. März 2002, 11:39
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"Gesetzgeber verursacht Mehraufwendungen"

Dornbirn/Bregenz - Die Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) rechnet mit dramatischen Abgängen. Das geht aus einer anlässlich der Generalversammlung am heutigen Donnerstag in Dornbirn veröffentlichten Mitteilung hervor. Im Jahr 2000 sei die Vorarlberger Gebietskrankenkasse noch mit einem Abgang von 5,62 Mill. Euro davongekommen, die vorläufige Jahresrechnung für 2001 ergebe bereits ein Minus von 7,06 Mill. Euro. Dieser Abgang dürfte sich im laufenden Jahr 2002 auf 15,25 Mill. Euro noch einmal mehr als verdoppeln, warnte VGKK-Obmann Wieland Reiner.

Mit diesen dramatischen aktuellen Zahlen setzte sich die Generalversammlung auseinander. Die VGKK könne nachweisen, "dass die rasante Talfahrt der 1998 noch kerngesunden VGKK im Wesentlichen durch Mehraufwendungen und Mindererträge verursacht wird, für die einzig und allein der Gesetzgeber verantwortlich ist", hieß es in der Aussendung.

Beispiele

Als Beispiele wurden angeführt, dass die VGKK seit 2001 am Strukturfonds im Krankenanstaltenbereich einen jährlichen Aufwandsanteil von mehr als drei Millionen Euro zu tragen habe. Weil der Hebesatz für die Krankenversicherungsbeiträge der Pensionisten seit 2001 gesetzlich gesenkt wurde, nehme die VGKK jährlich um 200.000 Euro weniger an Beiträgen ein. Seit 1. Jänner 2001 müsse die VGKK einen von 1,4 auf zwei Prozent erhöhten Beitrag in den Ausgleichsfonds leisten. Diese Solidarmaßnahme zu Gunsten Not leidender Krankenversicherungsträger schlage sich bei der Vorarlberger GKK mit einem jährlichen Minus von 1,79 Mill. Euro zu Buche.

Weiters: Einen Beitragentfall von mindestens 1,32 Mill. Euro allein im Jahr 2002 bringe die Pauschalierung der Krankenversicherungsbeiträge für Arbeitslose und KinderbetreuungsgeldbezieherInnen. Das weitere Loch, das der Wegfall der zur Beamtenversicherung "übersiedelten" Vertragsbediensteten des Landes und der Gemeinden bei den VGKK-Einnahmen reiße, mache heuer mindestens noch einmal 1,5 Mill. Euro aus. In den "elften Topf" für die nichtlandesfondsfinanzierten Krankenanstalten müsse die VGKK seit 2002 zusätzliche 0,92 Mill. Euro einzahlen.

Zu Lasten der Krankenkassen würden aber noch weitere Maßnahmen der Bundesregierung gehen, wie z. B. die Abwälzung des Bundesbeitrages für die Bauern, die Senkung der Beitragsgrundlage für die Zivildiener und die Beitragssenkung bzw. längere Zahlungsfrist für Dienstgeber, kritisierte die VGKK.

Quasi "nebenher", so Reiner, sei von der VGKK noch die "fast schon übliche Kostenexplosion im Heilmittelbereich" zu verkraften. Von 2001 auf 2002 müsse mit einer überproportionalen Steigerung um neun Prozent auf 62 Mill. Euro gerechnet werden. Beim Krankengeld wird heuer mit einer Steigerung von 4,1 Prozent auf 18,7 Mill. Euro gerechnet. Andererseits könne aber nur von einem 2,3-prozentigen Einnahmenplus bei den Beiträgen der pflichtversicherten Erwerbstätigen ausgegangen werden.

"Zu allem Überdruss", so die VGKK, würden auch die Vermögenserträgnisse aus den Rücklagen deutlich abnehmen. Diese Gelder hätten die VGKK in den vergangenen Jahren mehrmals in die schwarzen Zahlen herübergerettet und zuletzt zumindest das operative Minus stark abgefedert. Das zu erwartende vierprozentige Einnahmenplus bei den Rezeptgebühren (voraussichtlich 9,4 Mill. Euro im Jahr 2002) und die bescheiden Finanzspritze aus den Ambulanzgebühren (voraussichtlich 1,38 Mill. Euro) würden an der Dramatik der Situation wenig ändern. Das Sparpotenzial im Verwaltungsbereich sei "bis zur Neige ausgeschöpft". Die Versicherten müssten nicht nur höhere Selbstbehalte tragen, sondern auch unter Leistungseinschränkungen und dem ausgedünnten Außenstellennetz leiden. (APA)

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