Gesundheitsausgaben: Ärztekammer kritisiert IWI-Studie

21. März 2002, 11:22
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Zahlen um 2,8 Milliarden Euro zu hoch angesetzt

Wien - Die Ärztekammer kritisiert die am Mittwoch vorgelegte Studie des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI), wonach die Gesundheitsausgaben in Österreich 294 Milliarden Schilling (21,37 Mrd. Euro) oder 10,9 Prozent am Bruttoinlandsprodukt betragen. Die Studie enthalte zumindest einen gravierenden Methodikfehler. Die vom IWI errechneten 294 Mrd. Schilling für das Jahr 1999 seien um 38,6 Mrd. Schilling (2,8 Mrd. Euro) zu hoch angesetzt, stellte die Ärztekammer am Donnerstag in einer Aussendung fest.

Jene Ausgaben, die die Sozialversicherungen an die Landesfonds zahlten, seien zwei Mal berücksichtigt worden - nämlich einmal in der Position "Ausgaben Sozialversicherung" und einmal in der Position "Ausgaben für Landesfonds", argumentierte die Kammer. "Das bedeutet, dass die Angabe, wonach der Anteil der Gesundheitsausgaben am österreichischen Bruttoinlandsprodukt 10,9 Prozent beträgt, falsch ist", kritisiert Präsident Otto Pjeta. Nach Angaben der Statistik Austria lagen die Gesundheitsausgaben auf Basis der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung 1999 bei 8,1 und im Jahr 2000 bei 8,0 Prozent.

Mehr Genauigkeit gefordert

"Ich will keinem schlechte Absicht unterstellen. Aber in einem sensiblen Bereich wie dem Gesundheitssystem können die Österreicher mehr Genauigkeit und Sorgfalt bei der Berechnung statistischen Materials verlangen. Diskussionen über eine Reform des Gesundheitssystems auf der Basis dieses falschen Zahlenmaterials werden von uns jedenfalls kategorisch abgelehnt", betonte Pjeta.

Einen weiteren Methodikfehler sieht die Ärztekammer darin, dass die IWI-Studie andere Parameter zur Bewertung der Gesundheitsausgaben heran ziehe, als bisher international üblich. So habe das IWI auch die Ausgaben für Alten- und Pflegeheime in die Berechnung einbezogen. Damit seien die Daten international nicht vergleichbar. "Was hier gemacht wird, ist also nichts anderes, als Äpfel mit Birnen zu vergleichen", kritisierte Pjeta. (APA)

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