Das Zwischen ist das Schöne am Aktiven

22. März 2002, 12:23
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Die Interaktionen zwischen Menschen und digitalen Medien sind das Hauptgeschäft der international agierenden Designergruppe Nofrontiere.

Die Wiener stellen derzeit ihr Talent im Museum für angewandte Kunst in Wien unter Beweis.

Die gut eingeführten, regelmäßig stattfindenden MAK-Design-Showcases führen, so Heidemarie Caltik, Kustos des MAK-Design-Info-Pool, im heurigen Jahr die eigentliche Grundidee des Museums für angewandte Kunst zu einer neuen Vollendung. Museal war man seinerzeit angetreten, die Beziehungen zwischen Kunst und Industrie auszuleuchten, um also herauszufinden und sichtbar zu machen, wie und unter welchen Bedingungen diese traditionell so wichtigen gegenseitigen Befruchtungen eigentlich stattfinden und in gutes Design münden können.

Der derzeit zu besichtigende, gerade frisch eröffnete "Design-Schaukasten" ist quasi ein leuchtendes Beispiel für diese Idee: Die Wiener Avantgarde-Designertruppe Nofrontiere hat sich für das Museum am Stubenring etwas Besonderes einfallen lassen, etwas, das in jedem Moment seines Bestehens anders und speziell ist. Weil eine Kooperation mit einem Industrieunternehmen Vorgabe war, hat man gemeinsam mit Siemens ein filigranes, spannendes Ausstellungssystem der Interaktion entworfen, das die Besucher selbst quasi zu Ausstellungsteilen und Fraktalen macht.

Kernausstellungsraum

Wenn die entsprechende kräftige Technologie zur Verfügung steht, funktioniert das folgendermaßen: Mehrere weiß hinterleuchtete und überlebensgroße Screens, in verschiedenen Abständen aufgestellt, geleiten die Besucher auf dem Weg hinab in den Kernausstellungsraum: Dort ist auf einer Großleinwand ein farblich kühn zusammengestellter Mix von Images zu sehen. Die hier vom Rechner geschickt geshakten Bilder stammen, man bemerkt es bald, von den Besuchern selbst. Funkkameras haben, von den meisten Besuchern unbemerkt, vor den Screens Momentaufnahmen geschossen, ein fetter speicherkräftiger Computer mixt permanent die entsprechenden Bild- und Farbcocktails zusammen und projiziert sie an die Wand. Eine ebenfalls von den Besuchern, und zwar von den im Raum widerhallenden Geh-, Tratsch- und Klatschgeräuschen abhängige Klangkomposition bildet gewissermaßen einen satten Klangraum zu den projizierten und in ständiger Veränderung befindlichen Sujets. Texte, in Gucklöchern und auf den mattweißen Bespielungsflächen angebracht, runden die Angelegenheit ab, ebenso eine Internetstation sowie altmodisch-angenehme papierene Info-Publikationen über die mannigfaltigen Aktivitäten der Designergruppe.

Grenzen aufzeigen

Für Nofrontiere-Geschäftsführer Alexander Szadeczky ist die Ausstellung eine Möglichkeit, die vielen Talente geschickt gemachter Interaktion einem breiteren Publikum zur Kenntnis bringen: "Wir haben bereits zu einem Zeitpunkt, als der Touchscreen nicht erfunden war, unseren Schwerpunkt auf Interaktion gelegt. Wir wollen die Grenzen aufzeigen, und ich glaube, dass zum - noch fernen - Zeitpunkt meines Abtretens das digitale Medium im ganzen Raum erlebbar sein wird."

Nofrontiere spielen, was Web- und Interaction Design anbelangt, an der internationalen Spitze mit, zu den Kunden des fast 14 Jahre alten Unternehmens zählen Firmen wie die Deutsche Bank, max.mobil, Austria Tabak, OMV und BMW. Ein ständiges und gut gepflegtes Naheverhältnis zur Kunstszene, so Szadeczky, habe dem Unternehmen stets eine etwas freiere, spielerische Annäherung zu den verschiedensten Themen ermöglicht, die auch spürbar in die Zusammenarbeit mit der Industrie, also in die Erarbeitung von "Kommerzjobs" (Szadeczky), einfloss. Damit schließt sich der Kreis mit dem MAK, und wenn zwei das Gleiche wollen, schaut etwas Spannendes und Sehenswertes heraus.

derStandard/rondo/22/3/02

Von Ute Woltron

Die Ausstellung ist auch virtuell zu besichtigen: nofrontiere.com/mak, die von den Besuchern geprägte Schau selbst ist bis 5. Mai geöffnet.
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