Warum Gott die Polka erfand...

21. März 2002, 18:00
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... und weshalb Schnaps wichtig ist, illustriert die Kompilation "American Polka", ein würdiger Nachfolger von "American Yodelling"

Der deutsche Musikwissenschaftler Christoph Wagner hat nicht nur zwei Grundlagenwerke zur Geschichte des Akkordeons verfasst. Für das Münchner Label Trikont stellt er seit Jahren auch fundierte Kompilationen über diverse, fast vergessene transatlantische Musikstile zusammen. Dieses Mal hat er sich nach seiner wunderbaren Zusammenstellung American Yodelling einem Thema verschrieben, das als rotestes der roten Tücher der internationalen Gemeinschaft der Hasser von Bierzeltmusik angesehen werden muss, der Polka.

Allerdings kommen hier nicht nur Rentner zum Einsatz, wie etwa die tschechischen Emigranten der Shiner Hobo Band aus Shiner, Texas, mit ihrer Deutung des Schneewalzers. Besonderes Augenmerk legt Wagner auf die jungen Wilden. Das Fürlines etwa, eine Glamrock-Frauenband aus New York, rockt hier die Ziehharmonika ebenso wie die Polish Muslims aus Detroit oder Polkacide, die "Motörhead der US-Polka". Besonders gelungen, eine Version des Jimi Hendrix-Hits Purple Haze von der Brave Combo.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. 3. 2002)

Von
Christian Schachinger

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