Schnee auf dem Kilimandscharo schmilzt

21. März 2002, 19:16
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Treibhausgase und Abholzungen bedrohen Wasserversorgung von einer Million Menschen

Daressalam - Harry Street, dem Held der Hemingway-Kurzgeschichte "The Snows of Kilimanjaro", war es ein Rätsel, wie das Skelett eines Geoparden auf den gletscherbedeckten Gipfel des 5850 Meter hohen Bergs gekommen ist. Folgt man den Berechnungen der Wissenschafter, könnte dort in 15 bis 20 Jahren ein Geopard schon weit weniger Verwunderung auslösen, denn dann wäre die imposante weiße Haube auf dem "Dach Afrikas" weggeschmolzen.

Nicht nur der Klimawandel, sondern auch Treibhausgase durch Abholzung machen die Forscher verantwortlich für den raschen Rückgang von Schnee und Eis, berichtet der East African Standard in seiner Onlineausgabe. Laut Messungen des Geologen Lonnie Thompson von der Ohio State University hat sich die Schneemenge binnen der vergangenen 20 Jahre bereits um ein Drittel reduziert.

Wirtschaftsprobleme

Für die Region bedeutet das vor allem wirtschaftliche Probleme. Am Kilimandscharo leben mehr als eine Million Menschen, deren Versorgung mit Trink- und Nutzwasser für die Landwirtschaft mit dem Zurückgehen des Gletschers in Gefahr gerät.

Außerdem ist der Berg das Ziel von jährlich 20.000 Touristen, die den Menschen der Region zu wesentlichen Einnahmen verhelfen und einen bedeutenden Faktor für die Fremdenverkehrswirtschaft darstellen. Und die Fremden wollen den Berg nicht nur bezwingen, sondern auch den Anblick des schneebedeckten Gipfel in unmittelbarer Nähe zum Äquator genießen.

Die wissenschaftlichen Untersuchungen, bei denen sich auch Greenpeace engagierte, haben lokale Umweltschützer auf den Plan gerufen. Sie drängen die Regierung, etwas zu unternehmen. Diese allerdings, so berichtete der East African Standard, versuchte, die Ergebnisse der Studien zu widerlegen.

Temperaturwechsel

Dazu führte Ernest Njau, Meteorologe an der Universität von Daressalam, eigene Studien ins Treffen. Sie wollen nachweisen, dass die Tem-peraturen, analog zu früheren Veränderungen, nicht auf Dauer steigen werden. Demnach nahm der Durchschnittswert von 1850 bis 1940 um 0,45 Grad zu und sank bis 1970 um 0,9 Grad. Seither stiegen die Temperaturen durchschnittlich wieder um 0,44 Grad an.

Die Behörden in Tansania verweisen auch auf die Brandrodungen. Eric Mgurusi, Chef der Umweltbehörde, klagte über massives Abbrennen von Wäldern zur Gewinnung von Landwirtschaftsflächen und über den Einsatz von Düngemitteln, die das Entstehen von Treibhausgasen fördern.

Laut Angaben des tansanischen Umwelt- und Tourismusministeriums wurden in den vergangenen sieben Jahren 17.629 Hektar Wald (das entspricht einem Viertel des Wienerwalds) durch Feuer vernichtet. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. 3. 2002)

Vor 60 Jahren hat der heutige Filmklassiker "Schnee am Kilimandscharo" den Berg weltberühmt gemacht. In 15 Jahren, warnen Wissenschafter, könnte der Klimawandel dort Schnee und Eis vollends geschmolzen haben.
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