Die ungerechte Wetterwelt

22. März 2002, 12:03
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Im Norden Österreichs Hochwasser und Muren, im Süden alarmierende Trockenheit

Graz/ Linz - Herrliche Frühlingssonne, 20 Grad, blühende Forsythiensträucher. Im Süden Österreichs, rund um Graz, baut sich in diesen Tagen eine stimmige Kulisse für die nahenden Osterferien auf. Welch metereologisches Privileg an diesem heutigen "Weltwassertag".

Bruno Sauer, steirischer Wasserwirtschaftskoordinator, hält diese Märzenidylle freilich für "ein Riesenproblem". Denn der Grundwasserspiegel ist in der südlichen Steiermark auf einen seit 50 Jahren nicht gemessenen Tiefststand gesunken. Nur durch die Vernetzung der einzelnen steirischen Wasserverbände und durch den Umstand, dass die Stadt Graz zusätzliche Wasserressourcen für den Süden der Steiermark bereit stellt, sei die Versorgung mit Wasser einigermaßen gesichert.

Boden ist zu trocken

Für die Bauern hingegen wird die Situation zunehmend dramatisch. Die ersten Pflanzen müssten ausgesetzt werden, allein der Boden ist zu trocken und die Brunnen ausgeschöpft. Ein Zukauf teuren Trinkwassers sei wiederum unrentabel. Sauer: "Wir hoffen für die Bauern, dass es zumindest im April regnen wird." Das gelte von Osttirol bis ins südliche Burgenland.

Hochwasser- und Murengefahr im Ausserland bis Mariazell

120 Kilometer weiter nördlich von Graz würden die Bewohner liebend gern Wasser abgeben. In der nördlichen Steiermark vom Ausserland bis Mariazell hat es in den letzten beiden Tagen so viel geregnet wie in ganzen Monaten nicht. Dort herrscht weiter Hochwasser- und Murengefahr. Im Hochgebirge steigt die Lawinenwahrscheinlichkeit.

Dramatische Wassersituation

Je weiter nördlich, desto dramatischer die Wasser-Wettersituation. Entlang der Donau, besonders um Persenbeug und Ybbs, herrscht bereits seit Mittwoch Hochwasseralarm. Die Ybbs ist ebenso stetig am ansteigen, wie die Enns, die Erlauf, die Traisen oder der Inn.

Stark betroffen ist vor allem Oberösterreich. In einigen Gemeinden mussten Bauernhöfe evakuiert werden. Alarmierend entwickelt sich die Situation in Linz und in Steyr. In Schwarzenberg im Mühlviertel stürzte ein Achtjähriger in einen Hochwasser führenden Bach. Nach einer halben Stunde wurde das geborgen, sein Zustand ist kritisch. (mue, DER STANDARD Print-Ausgabe 22.März)

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