UN-Chefanklägerin Del Ponte fordert Sonder-Eingreiftruppe gegen Karadzic

21. März 2002, 07:47
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Spezialisten in Zivil sollen Serbenführer fassen

New York - UN-Chefanklägerin Carla Del Ponte hat eine Spezialtruppe zur Ergreifung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Radovan Karadzic gefordert. Der seit sieben Jahren flüchtige bosnische Serbenführer könne nur von Ermittlern in Zivilkleidung gefasst werden, betonte Del Ponte am Mittwochabend in New York.

Sonder-Eingreiftruppe

Es sei kein Wunder, dass zwei NATO-Kommandoaktionen zur Ergreifung Karadzics Anfang des Monats fehlgeschlagen seien, betonte die Cheferklägerin des UN-Kriegsverbrechertribunals: "Man kann keinen Flüchtigen fassen, wenn man dazu 200 Soldaten in Uniform von ihrem Hauptquartier bis in ein Dorf marschieren lässt." Besser wäre eine Sonder-Eingreiftruppe, die im Verborgenen und ohne auffällige Uniformen, Panzer oder Hubschrauber operiere.

Überraschungseffekte ausgeschlossen

Die UNO habe ihre Forderung jedoch aus finanziellen Gründen abgelehnt, bedauerte Del Ponte. Das Militär habe ein anderes Konzept als die Polizei. Ein Überraschungseffekt beim Einsatz gegen Karadzic sei damit ausgeschlossen.

Karadzic ist der meistgesuchte mutmaßliche Kriegsverbrecher auf dem Balkan. Das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wirft ihm Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Kriegs in Bosnien-Herzegowina (1992-1995) vor. Er und sein früherer Oberbefehlshaber Ratko Mladic werden unter anderem für ein Massaker an mehr als 6500 Moslems verantwortlich gemacht, die im Juli 1995 in der damaligen UN-Schutzzone Srebrenica umgebracht wurden. (APA)

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