Missbrauch und das Nein-Sagen

21. März 2002, 06:16
posten

Erste Erfolge des Internet-Angebotes vom Kinderschutzzentrum

Wien - "Ich bin 14 Jahre alt - darf ich in die Disco gehen?", wendet sich eine Teenagerin via Internet an das Kinderschutzzentrum. Bei diesem harmlos beginnenden Frage-und Auskunft-Dialog stellt sich dann nach und nach heraus, dass in der Familie dieser 14-Jährigen einiges im Argen liegt - und die Experten des Kinderschutzzentrums können ihre Hilfe anbieten - von der vertraulichen Beratung bis hin zu Therapien.

"Langsam greift unser Angebot, im Chat oder per e-Mail mit uns Kontakt aufzunehmen", berichtet Holger Elch, Leiter des Kinderschutzzentrums der Stadt Wien, das gerade seinen zehnten Geburtstag feiert. In Summe aber, so Eich, seien etwa die Zahlen jener Fälle, bei denen sexuelle Gewalt gegen Kinder bekannt wird, leicht rückläufig. "Mitte der 90-er hatten wir pro Jahr über 500 Fälle, jetzt sind es etwas weniger." Das liege zum Teil daran, dass die mediale Berichterstattung zu diesem Thema nachgelassen habe. Aber auch daran, dass auch "multiple" Gewalt - also Mehrfachmisshandlungen - verstärkt erfasst wird. Und die Dunkelziffer ist immer noch enorm.

"Oft wollen die Menschen einen Fall von Misshandlung nicht wahrhaben", erläutert Sozialstadträtin Grete Laska (SP), allerdings habe sich in den vergangenen zehn Jahren auch viel getan: "Als das Kinderschutzzentrum gegründet wurde, wurde Gewalt gegen Kinder in der Öffentlichkeit noch lange nicht so diskutiert wie heute", erinnert Laska. Da seien auch Aktionen, wie etwa Polizisten in Volksschulen, die Kindern fast spielerisch das "Nein-Sagen" beibrachten, hilfreich gewesen.

"Die Kampagnen und Thematisierung werden wir fortsetzen", so Laska. "Vor allem mit dem Ziel, die Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen. Denn dann werden Kinder eher Nein sagen, Hilfe suchen und weniger Abhängigkeiten anheim fallen." (frei, DER STANDARD Print-Ausgabe 21.März 2002)

Share if you care.