Geballte Ladung des alltäglichen Rassismus

20. März 2002, 21:39
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Neuer Report schildert 150 Einzelfälle von diskriminierenden Vorkommnissen

Wien - Von Hakenkreuzschmierereien bis zu Inländertaxis, von ausländerfeindlichen Anpöbelungen bis hin zu rassistischen Drohungen und xenophoben Übergriffen - im Mittwoch in Wien präsentierten "Rassismusreport 2001" des Vereins ZARA (Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit) sind 150 Fälle von österreichischem Alltagsrassismus dokumentiert.

Den Report versteht ZARA-Obmann Dieter Schindlauer als "Schattenbericht mit hohem qualitativem Anspruch". Auf quantitative Auswüchse gebe es keine Rückschlüsse. Nur so viel: Die Zahl von Menschen, die als Betroffene oder Zeugen Rassismus nicht länger hinnehmen wollen, wird größer. Allein das ZARA-Beratungs- und Hilfsangebot, für das es vom Bund null Unterstützung gibt, wurde im Vorjahr von 300 Menschen in Anspruch genommen. Rund ein Drittel davon waren selbst Opfer. Die im Report angeführten Fälle stammen von insgesamt 13 nicht staatlichen Organisationen.

ZARA ist ein Verein mit sozial und juristisch geschultem Team. "Eine Möglichkeit für Opfer, nicht mehr Opfer zu sein, ist, sich gegen Diskriminierungen zu wehren", sagt ZARA-Beraterin Xiane Kangela und erzählt, was zum Beispiel einer Türkisch sprechenden Gruppe vergangenen Oktober in Wien passiert ist: Plötzlich kam ein Mann auf eine Frau aus der Gruppe zu, schlug ihr ins Gesicht und schrie: "Genug mit euch und dem Terror!" Der betrunkene Täter wurde nach kurzer Polizeibefragung freigelassen. ZARA intervenierte mit Beschwerden beim Unabhängigen Verwaltungssenat.

Einen STANDARD-Artikel wiederum nahm der Verein zum Anlass, mit der Grazer Polizei Kontakt aufzunehmen. Der Chef der Grazer Suchtgiftfahnder, Walter Neumeister, hatte vergangenen Dezember im STANDARD sehr differenziert und vorurteilsfrei zum Thema Drogenhandel und Schwarzafrikaner Stellung genommen. Ein ausführlicherer Expertenkommentar von ihm findet sich nun neben anderen Fachmeinungen ebenfalls im Rassismusreport.

Einen Schwerpunkt sieht ZARA in der "Sensibilisierung". Auch die der Sprache. Sturm-Graz-Fußballpräsident Hannes Kartnig hat etwa einmal in Anspielung auf die jugoslawische Herkunft einiger seiner Spieler vom "FC Cevapcici" gesprochen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.3.2002)

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zara.or.at

Den Rassismusreport gibt es gratis unter: (01) 929 13 99
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