Stammzellen können schizophren machen

20. März 2002, 20:25
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Bei Mangel eines Proteins wandern sie nicht ans Ziel

Chikago - Nerven-Stammzellen dürften Schizophrenie auslösen. Zu diesem überraschenden Schluss führen Erkenntnisse über ein längst bekanntes Protein, dessen Funktion bisher unklar war: Reelin. Forscher der Uni Illinois fanden nun heraus, dass es Stammzellen hilft, den Weg an die richtige Stelle im Hirn zur Reparatur zu finden.

Mangelt es an diesem Eiweiß, stiften die Zellen offenbar Schaden. "In der Folge", sagt der Psychiater Kiminobu Sugaya, "können Wahrnehmung und Denken zusammenbrechen." Schizophrene mit eben diesen Symptomen haben tatsächlich Reelinmangel, zeigte die Analyse von Toten.

Und so kamen die Forscher auf den Zusammenhang: Sie züchten reelinfreie Mäuse und injizierten ihnen sowie einer Vergleichsgruppe normaler Nager menschliche Nerven-Stammzellen ins Gehirn. "In den normalen", berichtet Sugaya, "fanden wir eine schöne, symmetrische Wanderung und Ausdifferenzierung der Zellen, in den anderen schafften sie die Migration nicht und gingen verloren." Und kamen daher nie in den für Lernen, Erinnern und Wahrnehmen wichtigen Gehirnteilen an.

Damit ist ein molekularer Mechanismus für Schizophrenie identifiziert. Frühere Forschungen sahen Zusammenhänge mit Infektionen und Lichtmangel in der Schwangerschaft. (rosch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. 3. 2002)

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