"M6" heiratet Unbekannt

21. März 2002, 10:44
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Marokkos König Mohammed VI. verbirgt seine Auserwählte vor den Untertanen

Rabat - Die Untertanen sind begeistert: Jetzt hat Marokkos König Mohammed VI. endlich eine gefunden, die ihm gefällt. Besser noch, er ehelicht sie am Donnerstag im engsten Familienkreis im Palast in Rabat. Am 12. April soll die offizielle Vermählung in Marrakesch stattfinden. "Wir werden wie jedes andere Paar auch feiern, mit Freude und Jubel", erklärte der 38-jährige Monarch.

Abgesehen davon, das dieses dreitägige Festgelage mit internationalen Staatsgästen doch etwas reichhaltiger als bei den Untertanen ausfallen wird, fällt besonders auf: Mohamed VI. schweigt sich über die Identität seiner Braut aus.

"Perle der Keuschheit"

Keine offiziellen Fotos, kein Lebenslauf, Sprecher des Königshauses gaben nur Namen und Alter der "in ihrer Tugend, Keuschheit und Hochherzigkeit strahlenden Perle" bekannt: Salma Bennani, 24.

Seit Mohamed 1999 nach dem Tod seines Vaters Hassan II. den Thron bestieg, gleicht Marokko einer Gerüchteküche. Der Monarch habe noch in der Nacht nach der Krönung eine Berberfrau geheiratet, behaupteten viele. Nachdem dieses Gerücht zerstreut war, machten sich andere laut Gedanken darüber, warum der junge, sportliche König selbst in Discotheken nie mit Frauen gesehen wird.

Jetzt reden alle nur noch über Salma Bennani. Wo und wie sie "M6", wie der Volksmund den König nennt, kennen gelernt hat, interessiert nicht. Wer sie ist, das ist das Thema. Doch darüber gibt es kaum Angaben. Ein Foto von einer hochgewachsenen, blassen Rothaarigen macht die Runde; auszusehen wie sie gilt plötzlich als Schönheitsideal. Im Internet berichten die Maroc-News, man wisse nur, dass sie einer Bankiersfamilie aus Fes entstamme und als Informatikingenieurin bei der Omnium Nord Africain (ONA) gearbeitet habe. Das ist der größte private marokkanische Konzern und eine der wichtigsten Beteiligungsgesellschaften Afrikas. Hauptaktionär ist Marokkos königliche Familie.

Modern feiern

Schon dass Mohammed VI. eine öffentliche Hochzeitsfeier abhalten wird, gilt als modern. Sein Vater, der einen ganzen Harem sein Eigen nannte, ließ sich nie mit einer seiner Frauen ablichten. Bis heute wissen die Marokkaner nicht, wie die Mutter von Mohammed VI. aussieht.

Trotz des frischen Winds im Palast wird Salma Bennani sicher nicht eine Rolle spielen wie sie die populäre Rania von Jordanien innehat. Salma Bennani bekommt nur den Titel einer Prinzessin. "Im Islam gibt es keine Königinnen", erklärt Mohammed VI. dazu.

Aus dem Königspalast verlautet nur, dass sich die Gattin des Königs um "einige soziale Angelegenheiten" kümmern darf. (DER STANDARD, Printausgabe 21.03.2002)

STANDARD-Korrespondent Reiner Wandler
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