PatientInnen-Anwalt nicht für alle

20. März 2002, 19:40
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Vorarlberg: Niedergelassene ÄrztInnen wollen keinen Vertrag

Feldkirch - "Jetzt gibt es den Anwalt und dann ist er gar nicht zuständig", dieses Lamento enttäuschter Ratsuchender muss Patientenanwalt Alexander Wolf immer wieder anhören. Und zwar wenn es um Beschwerden über die Behandlung durch niedergelassene Ärzte geht. Denn im Gegensatz zu Wien, dem Burgenland und Niederösterreich ist der Patientenanwalt in Vorarlberg nur für Krankenhäuser und Pflegeheime zuständig.

Oft bleibt nur der Weg zum Gericht

Fühlt sich jemand durch die/den PraktikerIn oder niedergelassene/n FachärztIn (Ausnahme sind die ZahnärztInnnen, sie haben eine Schlichtungsstelle) falsch behandelt, bleibt nur der Weg zum Gericht. Verhandlungen des Patientenanwaltes mit der Ärztekammer über Verträge mit den Niedergelassenen scheiterten nach einem Jahr. "An den Kosten", bedauert Wolf. Für die Tätigkeit des Patientenanwaltes - bei geschätzten 40 bis 50 Fällen im Jahr - müssten die Ärzte rund 43.000 Euro jährlich aufbringen, das sind pro Praxis rund 100 Euro.

Weder die ÄrztInnen noch die Kammer noch das Land wollten die Kosten übernehmen. Nun herrscht Stillstand. "Das Gesprächsklima mit der Kammer ist aber gut", hofft Wolf auf eine spätere Wiederaufnahme der Verhandlungen. In der Zwischenzeit muss er Ratsuchende wegschicken. Wolfs erste Bilanz für 2002: "Aus dem Zahnärztebereich habe ich heuer schon 30 Leute an die Schlichtungsstelle der Ärztekammer verwiesen." Weitere zehn Beschwerden betrafen andere niedergelassene Ärzte.

Nachfrage ist groß

Die Patientenanwaltschaft ist für das Vorarlberger Gesundheitssystem noch Neuland. Damit erklärt sich Alexander Wolf auch den Ansturm in den ersten beiden Jahren. 306 Fälle hatte er zu bearbeiten, 135 davon sind noch offen. 22 wurden mit finanziellem Ausgleich für die Patienten erledigt. Über die Hälfte der Beschwerden betrifft die chirurgischen und orthopädischen Abteilungen der Krankenhäuser. Aber in nur 20 Prozent der Fälle liegen, so Wolf, tatsächlich Behandlungsfehler vor. Der große Rest seien enttäuschte Erwartungen nach falschen Hoffnungen.

"So gut wie keine Beschwerden" bekommt der Patientenanwalt aus den Pflegeheimen. Was Alexander Wolf auf "Beschwerdebarrieren" durch Abhängigkeitsverhältnisse zurückführt. Denn die Beschwerdestellen in den Heimen sind identisch mit den Heimleitungen. (jub/DER STANDARD, Printausgabe 21.03.2002)

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