Werberegeln: Print, ATV prüfen ORF

20. März 2002, 21:21
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Medienbehörde unzuständig

Wer beobachtet den Küniglberg, ob er die strengeren Werberegeln des neuen ORF-Gesetzes auch einhält? "Leider niemand", erklärt der Chef der Medienbehörde KommAustria, Hans Peter Lehofer, dem STANDARD. Damit hat er nicht ganz Recht. Bei ATV steht seit wenigen Tagen eine ganze Batterie von Videorekordern und d-Boxen und zeichnet alle ORF-Programme zu ebendiesem Zweck auf.

"Im Unterschied zu vielen anderen Ländern wird das nicht von der Medienbehörde überwacht", bedauert Lehofer. Den Job überlasse die Republik "merkwürdigerweise" Gebührenzahlern und Konkurrenten. Wie ATV.

"Nicht länger gefallen lassen"

"Wir haben das Gefühl, nichts hat sich geändert", sagt ATV-Geschäftsführer Tillmann Fuchs. Während Behördenchef Lehofer als Erstes das Osterhasen-Gewinnspiel für Ö3 einfällt, denkt Fuchs etwa an Werberichtlinien fürs Radio. Der ATV-Chef: "Wir werden uns das nicht länger gefallen lassen und einer rechtlichen Prüfung zuführen."

"Herr Fuchs wird ja dafür bezahlt, dass alles, was wir tun, Jammer auslöst", sagt Alexander Wrabetz, oberster ORF-Kaufmann: "Wir halten das Gesetz ein. Unsere Interpretation, wo es Handlungsspielraum lässt, ist zulässig."

Beschwerden gegen diese Interpretation beim zuständigen Bundeskommunikationssenat gab es bisher laut Geschäftsstelle nicht.

ATV ist mit seinem neuen Hobby nicht allein: Der Zeitungsverband VÖZ lässt in den nächsten Wochen prüfen, "wie der ORF das neue Gesetz umsetzt", bestätigt Generalsekretär Walter Schaffelhofer. Von einem "Streitfall" will er freilich nicht sprechen. (fid/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 21. März 2002)

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