Österreich und die UNO: Im Porzellanladen

20. März 2002, 19:03
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Ein Kommentar von Michael Völker

Nach Jörg Haiders Reise zu Saddam Hussein und der Heimholung eines österreichischen UN-Polizisten aus dem Kosovo, der dort einen Gefangenen misshandelt und gedemütigt haben soll, ist das Verhältnis zwischen Österreich und der UNO auf einem Tiefpunkt angelangt. Das sollte Österreich beunruhigen, die UNO wird damit leben können.

Die Drohung, dass Österreichs Beteiligung an friedenserhaltenden Maßnahmen gefährdet sein könnte, kam bei der UNO gar nicht gut an. Aber sie kam an. Und sie richtet sich mittlerweile gegen den Absender, gegen Österreich. Denn die UNO, so wird in New York verlautbart, kann auch gut ohne österreichische Beteiligung leben. Welch eine Überraschung!

Das wird sich Außenministerin Benita Ferrero-Waldner so nicht vorgestellt haben. Sie ist wohl davon ausgegangen, dass die UNO Österreich ohnedies nicht ernst nimmt, wir daher ruhig schimpfen und die Faust ballen können, ohne dass es in New York irgendwem auffällt. Dann aber hätte der Brief, den der Botschafter in ihrem Auftrag verfasst hat, an den Portier der Vereinten Nationen und nicht an deren obersten Chef adressiert werden müssen. Wie ungeschickt!

Die andere Variante: Ferrero-Waldner hat sich und die Rolle Österreichs doch zu wichtig genommen. Motto: Dem Kofi Annan werden wir es einmal zeigen! Eines ist jedenfalls gelungen: die mutwillige Beschädigung der Reputation Österreichs.

Was die UNO Österreich nun mitteilen lässt, heißt aus dem Diplomatischen übersetzt nichts anderes als "Putzt's euch ruhig, wir brauchen eure Pimperl-Truppen nicht". Haider und Ferrero-Waldner haben die Geduld der UN-Diplomaten offensichtlich über Gebühr strapaziert. Schon ein seltsames Paar, das da durch den Porzellanladen trampelt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.3.2002)

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