EU will gleiches Recht für Leiharbeiter

20. März 2002, 19:00
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Kommission: Ansprüche von Zeitarbeitnehmern jenen normaler Angestellter annähern

Die EU-Kommission will Leiharbeitnehmer weitgehend mit normalen Arbeitnehmern gleichstellen. Am Mittwoch legte die Behörde einen Richtlininenentwurf vor, der vor allem eine schlechtere Entlohnung von Zeitarbeitern in ihrem Gastunternehmen verhindern will.

Die europäischen Sozialpartner hatten sich in einer zwölfmonatigen Debatte nicht auf eine gemeinsame Linie für die Behandlung von Arbeitnehmern einigen können, die von Zeitarbeitsfirmen an andere Unternehmen ausgeliehen werden. Daher schlug die Kommission nun selbst eine Regelung vor.

Nur ein prozent will Zeitarbeiter

Mit Blick auf die Kritik von Arbeitgeberseite wies EU-Sozialkommissarin Anna Diamantopoulou darauf hin, dass nur ein Prozent der Unternehmen die Dienste von Zeitarbeitsfirmen nutzten, um Geld zu sparen. Der Hauptgrund für die übrigen sei die Flexibilität: "Sie wollen ,hire and fire'", so die Kommissarin. Doch sie betonte: "Wir können nicht akzeptieren, dass die Arbeitgeber von der Flexibilität profitieren und gleichzeitig weniger bezahlen."

Nach Angaben der EU-Kommission waren 1999 in der EU knapp 2,1 Mio. Beschäftigte für Zeitarbeitsfirmen tätig, damit 1,4 Prozent aller Arbeitnehmer (in Österreich 0,7 Prozent). Das nun geplante Prinzip der Nichtdiskriminierung für Leiharbeitnehmer gilt bisher noch nicht in Großbritannien, Irland, Schweden und Finnland.

Die Reichweite der neuen EU-Regelung würde allerdings begrenzt sein: Zwar sollen die Leiharbeitnehmer nach sechs Wochen Mindesttätigkeit in Bereichen wie Arbeitszeit, Urlaub oder Ruhezeiten gegenüber den fest angestellten Mitarbeitern eines Unternehmens gleich behandelt werden. Beim Lohn will Brüssel aber nur im Grundsatz ein Diskriminierungsverbot vorschreiben. Ob das gleiche Brutto- oder das gleiche Nettogehalt gezahlt werden muss, bleibt dann den Mitgliedstaaten überlassen. An die Fragen der Pensions- und der Krankenversicherung wagt sich die EU-Kommission nämlich in ihrem Entwurf nicht heran. (STANDARD-Redakteur Jörg Wojahn aus Brüssel, Der Standard, Printausgabe, 21.03.2002)

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