Zwei goldene Bögen zum Erfolg

20. März 2002, 19:27
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Das Allerheiligste der Fastfood-Welt ist 60 Meter lang, 40 Meter breit und drei Stockwerke hoch - die McDonald's-Zentrale bei Chicago

"Essen ist simpel, Hamburger braten auch. Die Leute wollen aber mehr als nur den Magen voll schlagen. Sie wollen beim Verzehr des Laberls auch ein Lebensgefühl vermittelt bekommen. Das schafft McDonald's noch immer am besten."

Der so spricht, ist Franzose, hört auf den Namen Jean-Louis Minot und ist seit kurzem Chef der "Hamburger-Universität" in Oak Brook bei Chikago. Dort werden jährlich etwa 6000 Franchisenehmer und andere Führungskräfte durchgeschleust. Wer den Ort nach einer Woche mit einem McDegree verlässt, sollte die neuesten Erkenntnisse im Verkaufen und die aktuellsten Kommunikationstechniken beherrschen. "Wir rekrutieren ständig neues Lehrpersonal, damit wir am Puls der Zeit bleiben", sagt Minot. Wieso sich die Ausbildungsstätte Universität nennt? Minot: "Weil es gut klingt. Punkt."


McDegree

In den Anfangszeiten von McDonald's in Österreich Ende der Siebziger- bis herauf in die Achtzigerjahre gingen auch viele Führungskräfte der hiesigen Fastfood-Maccies nach Oak Brook. Inzwischen werden die Franchisepartner und Restaurantleiter aus den deutschsprachigen Ländern zentral in München geschult. "Aus Kostengründen, wie es heißt." Weitere "McUnis" gibt es darüber hinaus in London, Sao Paulo, Sydney, Hongkong und Tokio.

Loek Versluis hat sein McDegree in München gemacht. Er ist wie 25 andere österreichische Franchisenehmer und Restaurantleiter auf Einladung von McDonald's nach Oak Brook gekommen - als Dankeschön für vorbildliche Unternehmensführung. Als Mitglied des von McDonald's Österreich im Vorjahr ins Leben gerufenen Leaders Club hat er sich Meriten erworben in Sachen Führungsstil, Mitarbeitermotivation, Kundenbetreuung.

Loek ist Niederländer und war jahrelang in der so genannten gehobenen Gastronomie tätig, bevor er bei McDonald's anfing. "Ich habe nach Vorarlberg geheiratet und hatte den dringenden Wunsch, selbstständig zu werden", erzählt Loek dem STANDARD. "Bei McDonald's hat es geklappt."

Inzwischen zwei Lokale

Inzwischen betreibt Loek Versluis zwei der insgesamt fünf McDonald's-Restaurants in Vorarlberg - eines mit 50 Mitarbeitern in Rankweil, das zweite mit 40 Beschäftigten in Hohenems. Ein drittes Lokal wäre sein Traum. Die Arbeit hinter der Budel macht ihm "sehr viel Spaß".

Mindestes einmal pro Jahr steht auch das Topmanagement von McDonald's für ein paar Stunden hinter der Budel. "Damit wir wissen, mit was wir unser Geld verdienen", wie Don Crosby, der oberste Personalchef von McDonald's weltweit, sagt. Crosby sitzt wie Jack Greenberg, der McDonald's-Oberboss, im zweiten Stock der dreistöckigen, 60 mal 40 Meter großen Konzernzentrale, in der 700 Personen arbeiten.


Big Mac Boulevard

Von den in Sichthöhe abgeteilten Büros der Oberbosse geht es über Gänge namens West McNugget Row, Big Mac Boulevard und French Fry Lane die Stiegen hinauf zur Mensa - natürlich ein McDonald's. "Das zeigt den Stellenwert, den der Restaurantbetrieb im Unternehmen hat", sagte Charlie Bell, der erst kürzlich bestellte neue Chef von McDonald's Europa.

Mit weltweit rund 30.000 Restaurants und etwa 46 Mio. Gästen pro Tag ist McDonald's noch immer die mit Abstand größte Fastfood-Kette der Welt. Das Unternehmen, das immer wieder Attackenziel von Globalisierungsgegnern ist, kam zuletzt auch wirtschaftlich unter Druck. Im Jänner musste der Hamburger-Spezialist zum fünften Mal in Folge einen Rückgang des Quartalertrags bekannt geben. Der Nettogewinn gab um 40 Prozent auf 271,9 Mio. US-Dollar nach, der Gesamtumsatz einschließlich der Franchisebetriebe hingegen verbesserte sich von 9,92 Mrd. auf 10,11 Mrd. Dollar.

"Die Leute wollen mehr Spaß beim Essen", sagt der Chef der Hamburger-Uni, Jean-Louis Minot. Deshalb wird bereits am "Restaurant der Zukunft" getüftelt. Minot: "Das Konsumverhalten ändert sich ständig. Wir müssen uns anpassen."(STANDARD-Redakteur Günther Strobl aus Chicago, Der Standard, Printausgabe, 21.03.2002)

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