Prämiensparen als Pflicht

20. März 2002, 19:45
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Seit 1999 - nach der Krise des Wohlfahrtssystems - gilt in Schweden für alle ab 1954 und später Geborenen ein neues Rentensystem. Das normale Rentenalter liegt weiter für Männer und Frauen bei 65 Jahren, ab 61 kann aber mit Abschlägen in Pension gegangen werden. Das System stützt sich auf mehrere Säulen:

Die Basis bildet eine beitragsbezogene Grundrente (inklusive Garantiepension für Personen ohne Erwerbstätigkeit). Der Leistungsumfang dieser Garantierente ist jedoch verringert worden. Dazu kommen Zusatz- und Prämienrenten sowie die steuerlich absetzbare private Vorsorge. Der Beitragssatz liegt bei 18,5 Prozent und wird zu gleichen Teilen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber finanziert.

Neu am System ist vor allem das obligatorische Prämiensparen. 2,5 Prozent der eingezahlten Beiträge müssen vom Leistungsnehmer selbst angelegt werden - angesichts fallender Börsenkurse ist der anfängliche Enthusiasmus für diese Sparform inzwischen in tiefe Skepsis umgeschlagen.

Kritisch beäugt wird auch, dass nun die 15 besten Verdienstjahre Basis für die allgemeine Zusatzrente sind. Früher wurde jede verdiente Krone angerechnet. Für die ersten vier Lebensjahre eines Kindes erhält die jeweilige Betreuungsperson (meist Frauen) extra Pensionsrechte. Kritik: Das "System der 15 besten Jahre" konserviere bestehende geschlechtsbetonte Unterschiede im Erwerbsleben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.3.2002)

STANDARD- Korrespondentin Anne Rentzsch aus Stockholm
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