Mediengeschichte für "Kurier"-Chefs

21. März 2002, 14:43
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Warum sich die Zeitung in den Osten Österreichs zurückzog: Ein "Geheimprotokoll" und Archivmaterial zum Nachlesen - Neu: Leserbrief von Peter Rabl

In einem Leserbrief an den Falter erklärt Kurier-Herausgeber Peter Rabl für sein Blatt: ". . . Konzentration der Mittel und des Personals auf den ostösterreichischen Zeitungsmarkt war Teil meines Blatt-Reformkonzeptes aus 1993, das ich damals ohne Zutun oder Zuruf der Kronen Zeitung erarbeitet habe." Das Archiv (siehe unten) sagt anderes.

DER STANDARD berichtete im Juni 1994 von einer Aufsichtsratssitzung beim Kurier, wo Gesellschafterin WAZ drängte, sich statt bundesweiter Erscheinungsweise auf Wien, Niederösterreich, Burgenland zu konzentrieren. Der Betriebsrat kündigte Widerstand an. Rabl damals: "Nachdem der Mehrheitseigentümer (Raiffeisen, Anm.) diesen Vorstoß nicht unterstützt, ist davon auszugehen, dass das Relaunchkonzept umgesetzt wird." Wenige Tage davor war der WAZ-Vorstoß wie ebenfalls berichtet Thema eines belauschten Treffens von Krone- und WAZ-Chefs. (red/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.3.2002)


Leserbrief von Peter Rabl

"Der STANDARD meint, mich meine eigene und die von mir verantwortete Geschichte des Kurier lehren zu müssen. Begreiflicherweise kenne ich sie besser. Die verlegerische und journalistische Konzentration des Kurier auf seinen klassischen Stammmarkt Ostösterreich war Teil meines Blattkonzeptes von Anfang 1993. Dieses Konzept habe ich - wie ich im Leserbrief an den Falter ausgeführte - ohne Druck, Beteiligung oder Zurufe aus "Mediaprint" oder Kronenzeitung erarbeitet.

Der STANDARD missversteht mit Blick auf das eigene Archiv eine Diskussion unter Kurier- und Mediaprint-Eigentümern im Juni 1994 als Ausgangspunkt des damals längst umgesetzten Konzeptes, und glaubt mich entsprechend korrigieren zu müssen. Tatsächlich wurde damals, Juni 1994, aber eine neuerliche Neupositionierung des Kurier als Wiener Stadtzeitung nach dem Muster des Hamburger Abendblatt diskutiert. Diese Überlegungen wurden offensichtlich nie umgesetzt."

Peter Rabl, Herausgeber Kurier, Wien, 21. März 2002


Protokoll, Archivmaterial

"Kurier": "Eine kleine, aber feine Stadtzeitung" - WAZ fordert Neupositionierung - Konrad: Kein Kommentar ("DER STANDARD", 21.6.1994)

". . . Hotel Schwarzenberg, 13. Juni 1994, 19.00 Uhr" - WAZ-Politik am Kaffeehaustisch II: Das "Geheimprotokoll" im Wortlaut ("DER STANDARD", 23.6.1994)

"Notfalls auf die Barrikaden" - "Kurier"-Belegschaft protestiert gegen WAZ-Pläne . . . ("DER STANDARD", 22.6.1994)

"Zeitungskrieg? - Schwachsinn!" - "Krone"-Konsulent überlegt rechtliche Konsequenzen nach "Inlandsreport" ("DER STANDARD", 25.6.1994)

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