Wo einst 5.000 französische Offiziere interniert waren

25. März 2002, 20:25
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Die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers "Oflag XVII A Edelbach" bei Allentsteig wird dokumentiert

St.Pölten - Im "Aussiedlermuseum" in der Stadtgemeinde Allentsteig wird damit begonnen, die Geschichte des einstigen Kriegsgefangenenlagers Edelbach zu dokumentieren. Die niederösterreichische Landesregierung bewilligte die Entlehnung einer großen Zahl von Objekten aus dem Besitz des Landesmuseums an die Stadtgemeinde, die schon in Kürze einen Teil davon im Rahmen ihres Aussiedlermuseums im Schüttkasten präsentieren möchte.

Die Aufarbeitung der Geschichte des "Oflag XVII A Edelbach" (in der Nähe von Allentsteig gelegen) wurde vor wenigen Jahren ins Rollen gebracht: Auf einem Dachboden in Merkenbrechts wurde ein Koffer aus dem Besitz des französischen Oberstleutnants Armand Oldrà gefunden und zunächst im Aussiedlermuseum als Relikt dieses Lagers gezeigt. Nachforschungen im Jahr 1996 ergaben, dass sich Oldra im Alter von 83 Jahren bester Gesundheit erfreute. Er wurde nach Österreich eingeladen, öffnete den Koffer im Rahmen einer kleinen Feier und begann die unglaubliche Geschichte des Lagers zu erzählen.

5.000 Offiziere

Dort waren bis zu 5.000 französische Offiziere interniert, die bei Hitlers Frankreich-Feldzug 1940 und später in Gefangenschaft geraten waren. Die Franzosen hielten ihre militärische Hierarchie im Waldviertler Lager völlig aufrecht und wurden auf Grund ihres militärischen Ranges nicht zur Arbeit herangezogen. Sie nutzten ihre Freizeit dazu, um einen regelrechten Universitätsbetrieb aufzuziehen. Schwerpunkt dieser "Kriegsgefangenenuniversität" waren geologische Untersuchungen, von denen einige später in Frankreich als Dissertationen anerkannt wurden. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges und nach Rückkehr der Franzosen in ihre Heimat wurden die Lagerbaracken geschleift, das Bundesheer errichtete dort ein Munitionslager.

Seit dem Kofferfund ist die Wissenschaft am Zug: Dr. Andreas Kusternig, Sachbearbeiter in der Kulturabteilung des Landes, förderte in Frankreich noch weitere Objekte von Kriegsgefangenen zu Tage, einige Nachlässe gingen in den Besitz des Landesmuseums über. Eine umfangreiche Publikation über das Lager und die darin internierten Offiziere ist in Vorbereitung. Das in Kürze erscheinende Heimatbuch Allentsteig wird sich in einem Kapitel ebenfalls mit der Geschichte des Lagers Edelbach befassen. (red)

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