Das Scheitern ist nur eine Story

13. Mai 2005, 13:48
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Klaus Schmeh erzählt in seinem Buch über die 55 größten wirtschaftlichen Flops der Geschichte

Das wüssten wir halt alle gern: Aus welchen Ingredienzien Erfolg gemacht ist und aus welchen Misserfolg. Nach Lektüre des Buches weiß man zumindest, was die Gründe für einen wirtschaftlichen Flop sein können, die da sind: Pech, falsche Einschätzung der Lage, Selbstüberschätzung, Missmanagement und natürlich kriminelle Machenschaften.

Der Autor, ein Unternehmensberater, hat 55 sehr exemplarische Fälle zusammengetragen und diese kurz und kurzweilig beschrieben. So ist ein magazinhaftes, boulevardeskes Buch herausgekommen, das für Kurzweil ebenso sorgt wie für ein paar Ahaerlebnisse.

Die Tragödien, die hinter wirtschaftlichen Flops stehen, bleiben verborgen oder lassen sich nur an der Höhe der vernichteten Summe messen. Die beschriebenen Fälle sind historisch, waren erst kürzlich auf den Wirtschaftsspalten von Tageszeitungen zu lesen oder dauern noch immer an - mit offenem Ausgang. UMTS-Lizenzen, Iridium-Handys, Expo 2000. Wenn es sich um riesige Projekte handelt, ist der Schlussstrich auch bei Verlusten nicht so rigoros wie bei Firmen, die dichtmachen müssen.

Was Schmeh bei der Auswahl der Fälle geleitet hat? Nicht unbedingt die Größe der vernichteten Summe. Sehr oft soll die exemplarische Art eines Niedergangs dargestellt werden. Etwa bei der "Tulipmania", einem wahnwitzigen Run auf Tulpenzwiebeln, der die niederländische Börse 1637 zuerst hoch- und dann niederzog. Die Parallelen zu der Krise am Neuen Markt, bei der New-Economy-Werte unrealistische Höhen erreichten, ist frappant. Doch geht's immer irgendwie weiter. Schmeh schreibt: An der Börse ist das Geld niemals weg - es hat nur ein anderer. (Der Standard, Printausgabe, Johanna Ruzicka)

Klaus Schmeh
Die 55 größten Flops der Wirtschafts-
geschichte

Krimis, Krisen, Kuriositäten
Redline Wirtschaft/ Ueberreuter 2002
266 S., € 25.60
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