Computer-Kinder sind oft unterfordert

20. März 2002, 16:10
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"... da wird ausschließlich die Auge-Hand- Koordination trainiert, und das nutzt nur, wenn der Sprössling Rennfahrer werden will ..."

Berlin - Das tägliche Arbeitsleben ist ohne Computer nicht mehr vorstellbar. Aber auch in Kinderzimmern machen Laptop und PC den Plüschtieren und Bauklötzen Konkurrenz. "Die ersten Spiele gibt es schon für Kinder ab zwei Jahren", sagt Thomas Feibel, Autor des Standardwerks "Kindersoftware-Ratgeber", der seit 1996 jährlich neu aufgelegt wird. Kindern wird in der Welt, in die sie hineinwachsen, umfassende Medienkompetenz abverlangt. Doch durch die einseitige Nutzung von Computerspielen spezialisierten sich Kids bereits frühzeitig auf einige wenige Fertigkeiten, meinen Experten.

"Da wird ausschließlich die Auge-Hand-Koordination trainiert, und das nutzt nur, wenn der Sprössling Rennfahrer werden will", erläutert Johannes Bruhn von der Hypo-Vereinsbank Weiterbildungsakademie in Unterhaching (Bayern). Das ginge auf Kosten der allgemeinen Entwicklung und der umfassenden Fähigkeit, mit der Welt umzugehen.

"Kinder sind Bewegungs- und Lernmaschinen"

Der Pädagoge und Psychologe befasst sich mit dem Lernen durch Medien und hat bei Untersuchungen festgestellt, dass Kinder bei der Arbeit mit dem Computer unterfordert sind. Wichtig sei, so raten beide Experten, Kindern das Lernen auf allen Ebenen zu ermöglichen - in der realen und der virtuellen Welt. "Kinder sind Bewegungs- und Lernmaschinen - sie wollen und müssen mit allen Sinnen Meldungen empfangen und verarbeiten können", sagt Bruhn.

Aber nicht nur mit Computerspielen und Lernsoftware kommen Kinder schon früh in Berührung, auch das Internet übt eine große Faszination auf den Nachwuchs auf. Der Online-Plausch gehört nach Ansicht des Experten zu den Lieblingsaktivitäten der Kleinen. "Die Kinder nutzen das Internet für ihre Zwecke - hauptsächlich chatten sie." Das anonyme Gespräch im Internet biete vor allem die Möglichkeit zu flirten: "Sie lügen dabei fast alle, geben ein falsches Alter an und sind so schön wie Filmstars."

Aufgabe der Eltern sei es, die Kinder auf mögliche Gefahren im Internet vorzubereiten, sagt Feibel. "In der richtigen Welt bringen wir unseren Kindern bei, sich nicht von Fremden ansprechen zu lassen oder in fremde Autos zu steigen. Genauso müssen wir ihnen auch Rüstzeug für den Gebrauch des Internets mit auf den Weg geben und sie lehren, wie man sich nicht von fremden Chatpartnern ausspionieren lässt." (APA/dpa)

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