Nach Anschlag fürchtet Italien neue Terrorwelle

20. März 2002, 16:03
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Zeichen der Roten Brigaden war in der Nähe des Tatorts auf eine Tür gemalt

Rom - Nach der Ermordung des Regierungsberaters Marco Biagi fürchtet Italien eine neue Welle des Terrors. In der Nähe des Tatorts in Bologna wurden nach Medienberichten von Mittwoch erste Spuren entdeckt. Ein fünfzackiger Stern, das Zeichen der linksextremen Terrorgruppe Rote Brigaden, war auf eine Tür aufgemalt.

Der 52-jährige Biagi wurde am Dienstagabend in Bologna auf dem Heimweg von mutmaßlich zwei unbekannten Tätern auf einem Motorrad erschossen, wie das Innenministerium mitteilte. Die Ermittler gehen von einem terroristischen Hintergrund der Tat aus. Bisher hat sich niemand zu dem Mord bekannt. Er gehörte zu den engsten Mitarbeitern von Arbeitsminister Roberto Maroni und war mit der umstrittenen Lockerung des Kündigungsschutzes befasst.

Die Gewerkschaften lehnen die Regierungsvorschläge zur Reform des Kündigungsschutzes ab. Für Samstag hatten sie zu einer Großdemonstration in Rom aufgerufen, bei der die Veranstalter bis zu einer Millionen Teilnehmer erwarteten. Ob sie nach dem Mord an ihren Plänen festhalten, war zunächst unklar. Die Pläne der Regierung zielen darauf, Entlassungen zu erleichtern. Nach Ansicht von Ministerpräsident Berlusconi ist dies ein notwendiger Schritt zur Flexibilisierung des Arbeitsmarkts.

Berlusconi will an Reformvorhaben festhalten

Berlusconi betonte am Mittwoch, seine Regierung halte an ihrem Reformvorhaben fest. Zugleich rief er die Gewerkschaften zu einer Wiederaufnahme des Dialogs auf. Innenminister Claudio Scajola sagte, der Anschlag erinnere ihn an den noch immer ungeklärten Mord an dem Arbeitsrechtler Massimo D'Antona. Dieser war 1999 bei einem Anschlag getötet worden, zu dem sich die Roten Brigaden bekannten. Papst Johannes Paul II. verurteilte ebenfalls den Anschlag auf Biagi.(APA/ag./dpa)

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