Premiere World - Der Erfolg lässt seit Jahren auf sich warten

28. März 2002, 22:52
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Abonnement-Fernsehen gibt es in Deutschland schon seit 1986, doch der Durchbruch ist ihm bis heute versagt geblieben. Der Münchner Filmhändler Leo Kirch dehnte damals seinen Schweizer Pay-TV-Sender Teleclub nach Deutschland aus. Bis 1990 hatte er allerdings nur knapp 100.000 Zuschauer. Darauf gründete er zusammen mit Bertelsmann und dem französischen Pay-TV-Betreiber Canal plus den Abo-Sender Premiere, in dem der deutsche Teleclub aufging.

Mit Fußball und Autorennen kam Premiere in den folgenden Jahren in Fahrt. 1996 hatte es bereits eine Million Zuschauer und schrieb erstmals schwarze Zahlen. Doch im gleichen Jahr startete Kirch einen zweiten Pay-TV-Sender, das Digitale Fernsehen DF1, das eine schier unbegrenzte Zahl von Kanälen, Pay-per-View-Angeboten und Internet-Verknüpfungen ermöglichte. Mit der D-Box zum Decodieren der Signale hatte er den Schlüssel für das digitale Fernsehzeitalter in der Hand - so Kirchs Vision, die auch die Investoren und Banken teilten.

Premiere wie DF1 machten unterdessen hohe Verluste, die Franzosen stiegen aus. Kirch und Bertelsmann wollten zunächst je die Hälfte von Premiere übernehmen. Doch die Kartellbehörden legten ein Veto ein. Darauf stieg auch Bertelsmann aus: Kirch übernahm Premiere und vereinigte es 1999 mit DF1 zu Premiere World.

Kurz darauf stieg der US-Medienunternehmer Rupert Murdoch mit seinem erfolgreichen britischen Abosender BSkyB bei Premiere ein. Für 1,5 Mrd. Euro erhielt er 22 Prozent der Anteile. Weitere acht Prozent übernahmen der saudische Prinz Al-Walid und zwei US-Finanzgruppen.

Aber der in Aussicht gestellte Erfolg von Premiere ließ auf sich warten: Statt mit vier Millionen Abonnenten Gewinn zu erwirtschaften, konnte der Sender nur knapp 2,5 Millionen Abonnenten gewinnen. Zwar lockte Premiere mit exklusiven Fußball- und Formel-1-Übertragungen. Aber Preise von 200 bis 300 Euro für ein Jahres-Abo, Probleme mit der teuren D-Box und die Konkurrenz von 35 kostenlos empfangbaren Fernsehsendern schreckten die meisten Interessenten ab. Die Einnahmen standen in keinem Verhältnis zu den Kosten der teuren Hollywood-Filme und Sportprogramme.

Premiere machte jährlich rund 800 Mill. Euro Verlust und drohte den gesamten Kirch-Konzern in die Pleite zu treiben. Murdoch kündigte seinen Ausstieg an und will sein Geld zurück fordern. Jetzt ist der einstige ProSieben-Chef Georg Kofler angetreten, den Sender mit einem neuen Konzept zu retten. (APA)

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