Del Ponte will am 8. April Serbien besuchen

20. März 2002, 13:25
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UNO-Chefanklägerin erwartet noch vorher "gute Nachrichten" aus Belgrad - Anklage gegen Kosovo-Albaner angekündigt

Belgrad - Die Chefanklägerin des UNO-Kriegsverbrechertribunals, Carla del Ponte, will am 8. April Serbien besuchen. Sie erwarte noch davor "gute Nachrichten" aus Belgrad, sagte Del Ponte gegenüber der belgischen Presseagentur Sense. Der US-Kongress hatte Jugoslawien den 31. März als letzten Termin für den Beginn der vollen Zusammenarbeit mit dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag genannt.

Angesichts der US-Drohungen mit dem Entzug der Finanzhilfe an Belgrad bezeichnete die Chefanklägerin die erwarteten Auslieferungen mutmaßlicher Kriegsverbrecher als eine "erpresste Geste". "Es wäre natürlich besser, würde diese Geste ein Ausdruck des politischen Willens sein, der in Belgrad vorherrscht", sagte Del Ponte. Derzeit gebe es diesen politischen Willen aber nicht.

Die Chefanklägerin kündigte auch an, in "einigen Monaten" auch eine erste Anklage wegen Kriegsverbrechen albanischer Extremisten an Kosovo-Serben vorlegen zu wollen. Für die Ahndung von Kriegsverbrechen an Kosovo-Serben setzt sich vor allem der serbische Justizminister Vladan Batic ein. Er hatte bereits mehrmals diesbezügliche Forderungen an Del Ponte gestellt.

Als "Auslieferungskandidaten" werden in Belgrad neben der Vukovar-Troika - drei jugoslawischen Offizieren - auch noch drei frühere engste Mitarbeiter von Slobodan Milosevic angesehen - ex-Vizeministerpräsident Nikola Sainovic, der ehemalige Innenminister Vlajko Stojilkovic und ex-Generalstabchef Dragoljub Ojdanic. Ihre Reise nach Den Haag dürften natürlich auch die früheren bosnisch-serbischen Führer, Radovan Karadzic und Ratko Mladic, antreten.(APA)

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