Der Morgen ist orange

20. März 2002, 13:24
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Es gibt sicher irgendeine Philosophie oder Heilslehre, die gewissen Tageszeiten gewisse Farben zuordnet. Und wenn nicht, dann soll dies hier der Grundstein sein.

Jetzt ist es also wieder soweit, dass man, um den Sonnenaufgang sehen zu können,­ relativ früh aufstehen müsste. Allerdings reicht die Verlockung der Ansicht eines orangeroten Sonnenballs über der morgendlichen Stadt natürlich nicht wirklich aus, um das in fahlem Dämmergrau schwelende Schlafzimmer samt seiner sympathischen Einrichtungen zu verlassen, also muss der Kontakt mit der aufgehenden Sonne halt wieder bis in den späten Herbst warten (wobei dann meistens Nebel herrscht, na auch egal).

Dennoch bemerkte ich, dass sich mein Körper offenbar nach morgendlichen Orange sehnt, und das insofern zu erkennen gibt, dass immer mehr Bestandteile meines ausgedehnten Frühstücks (okay, also zumindest am Samstag und Sonntag) von oranger Farbe sind. Begonnen hat´s mit dem Orangensaft, der da von einer Vorarlberger Firma in hervorragender Qualität in so coole Tetrapaks abgefüllt wird. Am Anfang nahm ich immer die dunkelrote Blutorangen-Variante, eines Tages verirrte sich dann aber das ballaststoff-angereicherte "Trinkfrühstück" in den Einkaufskorb. Seine Farbe: orange. Orange Nummer Eins, fiel aber noch nicht weiter auf.

Nun gut, weil es Winter ward, und man da ja die Vitamine braucht, wurde die Frühmahlzeit um die eine oder andere Mandarine/Orange bereichert, deren Farbe natürlich ebenfalls jene ist, die sie auch im Namen trägt, was also auch noch nicht weiter verwunderte.

Als ich dann aber marmeladenmäßig von der bisherigen Frucht-Rotation abzuweichen begann und nur mehr zwischen Stauds unglaublicher, massiv-fruchtiger Marillenmarmelade aus dem Weinviertler "Rothental" und jener fein-säuerlichen vom Wachauer Venusberg pendelte, musste ich mich schon ein bisschen wundern. Schließlich wurde auch das Bedürfnis nach Spiegelei (Dotter!) einigermaßen übermenschlich und unlängst ertappte ich mich sogar dabei, wahnwitzige acht Euro für eine "Flug-Mango" aus Australien auszugeben, die freilich von vorzüglicher Reife war und vor allem äußerst orange.

Hilfe! Was kommt als nächstes? Hagebuttentee? Karotten-Striezel? Das kleine Kalbsrahmgulasch (bitte, ja, ja, bitte!)? Vielleicht sollte ich wirklich wieder einmal früher aufstehen.

Von
Florian Holzer
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