Todestag des österreichischen Nobelpreisträgers Hayek

20. März 2002, 12:53
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Einer der bedeutendsten Wirtschafts- und Sozialwissenschafter des 20. Jahrhunderts starb vor zehn Jahren

Wien - Der bisher einzige österreichische Wirtschafts-Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek starb am 23. März vor zehn Jahren. Er gilt als einer der bedeutendsten Wirtschafts- und Sozialwissenschafter des 20. Jahrhunderts, den Nobelpreis erhielt er gemeinsam mit dem Schweden Gunnar Myrdal 1974 für seine "bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Geld- und Konjunkturtheorie und ihren tiefgründigen Analysen der wechselseitigen Abhängigkeit von wirtschaftlichen, sozialen und institutionellen Verhältnissen". Hayek war als glühender Verfechter der freien Markwirtschaft bekannt.

Einer Industriellenfamilie entsprungen

Hayek wurde am 8. Mai 1899 als Sohn einer Wiener Industriellenfamilie in Wien geboren. Nach seinem Studium an der Universität Wien wurde er 1921 zum Doktor des Rechts und 1925 zum Doktor der Staatswissenschaften promoviert. Als sein wichtigster Lehrer und späterer Freund wird der Nationalökonom Ludwig von Mises angesehen, der die Tradition der "Österreichischen Schule der Nationalökonomie" nach Carl Menger, Eugen Böhm-Bawerk und Friedrich Wieser vertrat.

Nach einem zweijährigen Aufenthalt in den USA leitete er von 1927 bis 1931 das Österreichische Institut für Konjunkturforschung und habilitierte 1929 als Privatdozent für Nationalökonomie und Statistik an der Universität Wien. Erst 32 Jahre war Hayek alt, als er 1931 als Professor an die hochangesehene "London School of Economics" ging. Der wissenschaftliche Ruf, den Hayek schon in jungen Jahren genoß, gründete sich auf zwei seiner Werke: "Geldtheorie und Konjunkturtheorie" (Wien 1929) und "Prices and Production" (London 1931). Es waren Arbeiten, die vor allem für die Entwicklung der Konjunkturtheorie und der Kapitaltheorie von grundlegender Bedeutung waren.

Monetäre Konjunkturtheorie

Auf dem Gedankengut der österreichischen Schule der Nationalökonomie aufbauend, entwickelte Hayek eine Variante der monetären Konjunkturtheorie, die von der einseitig monetären Erklärung der Konjunkturschwankungen, wie sie damals in England gepflegt wurde, abrückte und unter den Konjunkturursachen auch realen (güterwirtschaftlichen) Faktoren Platz einräumte. Hayek hat damit den Weg zur Lehre zur so genannten synthetischen, polykausalen Schichtenlehre der Konjunkturursachen freigemacht, die heute als einzige Konjunkturerklärung vorherrscht. In den dreißiger Jahren war seine Konjunkturtheorie Gegenstand heftiger Diskussionen.

"Enttäuscht von Österreich"

Von 1950 bis 1962 lehrte Hayek an der Universität Chicago, ab 1962 an der Universität Freiburg/Breisgau, wo er 1968 emeritierte. Neben zahlreichen anderen Gastprofessuren wurde Hayek 1970 als Gastprofessor an die Universität Salzburg berufen. "Enttäuscht von Österreich" und klagend über den "wiederholt erlebten Forschungsbürokratismus, Belästigungen und fehlende Unterstützung", so Hayek 1977 in einem Interview mit der "Presse", kehrte der Wirtschaftswissenschafter 1977 der Universität Salzburg den Rücken, um sich wieder in Freiburg niederzulassen.

Schon 1938 erwarb Hayek die britische Staatsbürgerschaft. Zu seinen mehr als 50 Büchern zählte "The Road of Serfdom" (Der Weg zur Knechtschaft), 1944. In dem Werk, der Verfasser bezeichnete es selbst als "politisches Buch", verteidigte Hayek leidenschaftlich eine die persönliche Freiheit sichernde Staats- und Wirtschaftsordnung gegen die damals aufkommenden Mächte des Totalitarismus.(APA)

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