Grünland wird zur Kulturzone

20. März 2002, 13:43
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Im Salzburger Gemeinderat wurde die für das Museum im Mönchsberg notwendige Flächenumwidmung mehrheitlich beschlossen - FPÖ: "Unterwerfungs-Beschluss"

Salzburg - Der Salzburger Gemeinderat hat am Mittwoch die Raumordnungs-Grundlagen für das Kunstzentrum Mönchsberg geschaffen. Gegen die Stimmen der FPÖ und der Ein-Mann-Liste "Lebenswertes Salzburg" wurde die Umwidmung von rund 25.500 Quadratmetern Grünland beschlossen. Die Freiheitlichen kritisierten die "Unterwerfung vor der Landesregierung", weil das Land selbst noch keinen definitiven Beschluss für das Museum im Berg vorweisen könne. Für die anderen Fraktionen ist die Umwidmung Voraussetzung für die Weiterführung des Projektes.

Basteln am Ursprungs-Konzept

Zur Vorgeschichte: Mit dem Bau des Museums auf dem Berg wurde vor wenigen Wochen bereits begonnen. Auf Betreiben der Stadt wurden die seit über zehn Jahren existierenden Pläne des Architekten Hans Hollein für ein Museum im Berg so konzipiert, dass es einerseits finanziell bewältigbar wäre und andererseits mit dem Museum auf dem Berg zusammengeführt werden könnte, so dass ein Kunstzentrum Mönchsberg entsteht. Die Umwidmung betrifft großteils nur das Bergesinnere. 6.254 Quadratmeter Wald müssten aber gerodet werden. Zudem wurde die Umwidmung ausdrücklich auf das Museumsprojekt beschränkt.

FPÖ: Seniorenheime und Kindergärten wären sinnvoller

FPÖ-Vizebürgermeister Siegfried Mitterdorfer sprach von einem "Unterwerfungsbeschluss". Man hätte mit der Umwidmung warten sollen, bis sich die Landesregierung definitiv zum Museum im Berg bekenne. Außerdem sei eine Finanzierungsbeteiligung des Bundes mehr als fraglich. "Das Museum im Berg ist ein Wunschtraum, außer Stadt und Land zahlen die 600 bis 700 Millionen Schilling alleine", so Mitterdorfer. "Wir werden wieder die Draufzahler sein." Der FPÖ-Politiker stellte zur Diskussion, ob die von der Stadt für das Museum im Berg reservierten 18,2 Mill. Euro nicht sinnvoller gleich für Seniorenheime oder Kindergärten herangezogen werden sollten.

Planungsstadtrat Padutsch: "Die Rechnung sollte zählen"

Man müsse tatsächlich zur Kenntnis nehmen, dass von der Landesregierung keine Perspektiven oder Visionen kämen, kritisierte Planungs-Stadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste). Aber: "Wenn schon die Visionen fehlen, sollte die Rechnung zählen." Denn schon bei 300.000 Besuchern jährlich würde das Kunstzentrum dem Finanzminister mehr Geld einbringen, als er ausgeben müsste. Der Bund könne mit einer jährlichen Rendite von zehn bis 15 Prozent rechnen. Er unterstütze die Umwidmung aus wirtschafts- und kulturpolitischen Gründen.

Verhandlungen mit dem Bund

Auch ÖVP-Vizebürgermeister Karl Gollegger betonte, dass die Stadt zuerst die Hausaufgaben machen müsse. Ansonsten brauche man gar nicht nach Wien fahren, um über eine Beteiligung des Bundes zu verhandeln. SPÖ-Bürgermeister Heinz Schaden kündigte ab, dass die finanzielle Beteiligung des Bundes jetzt rasch durch eine gemeinsame Fahrt nach Wien geklärt werden solle. Er gehe aber von einer Drittel-Beteiligung Bund/Land/Stadt aus. (APA)

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