Der Drache: ein variabler Mythos

20. März 2002, 11:54
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Glücksbringer in der östlichen Hemisphäre, Vernichter in der westlichen

Graz - Mit dem Mythos "Drachen" befasst sich eine Sonderausstellung, die am Freitag im zum Landesmuseum Joanneum gehörenden Schloss Trautenfels im steirischen Ennstal eröffnet wird. "Der Drache. Eine Legende erwacht" versucht die Aufarbeitung des Themas aus zwei sehr unterschiedlichen Perspektiven, nämlich der fernöstlichen und der abendländischen Sichtweise.

Die von Volker Hänsel, Gerd Kaminski und Claudia Peschl-Wacha konzipierte Ausstellung gibt in neun Räumen einen umfassenden kulturhistorischen Einblick in die Mythologie des Fabelswesens. In China wurde und wird der Drache als Machtsymbol und Glücksbringer verehrt. Die kaiserliche Drachenrobe, Teppiche, Vasen und reich geschmücktes Kunsthandwerk zeugen davon. In Trautenfels erstmalig in der Öffentlichkeit gezeigt werden u.a. archäologische Funde aus dem 2. vorchristlichen Jahrtausend, die aus einer Wiener Privatsammlung stammen.

Feuerwesen

In der europäischen Überlieferung beherrscht der Drache das Feuer - er wird mit dem Bösen und mit Katastrophen in Verbindung gebracht. Der Kampf gegen das Ungeheuer bildet den Kern antiker und germanischer Mythen sowie christlicher Legenden. Auch europäische Sagen und Märchen erzählen immer wieder von der Auseinandersetzung mit diesem Untier. In der mittelalterlichen Bauplastik verfolgen böse Drachen Menschen wie Tiere, an Kirchenportalen dient seine Darstellung aber auch der Abwehr von Geistern. Als Symbol der Stärke hat der Drache römische Feldzeichen, die Boote der Wikinger, mittelalterliche Rüstungen und die Uniformen der Dragoner geziert.

Die Vorstellung, wie Drachen aussehen, war stets vom Stand des naturhistorischen Wissens der jeweiligen Zeit geprägt. Zeichnungen und Stiche in historischen Büchern illustrieren diese aus verschiedenen realen Tieren zusammengefügten Drachen. Der Volksglaube schrieb dem Drachen wunderwirkende Heilkräfte zu: Drachenzunge, Drachenblut und Drachenstein waren übernatürliche Heilmittel. Auch in der heutigen Alltagskultur Chinas und Europas ist der Drache stets präsent. Meist begegnet er uns als freundliches und hilfsbereites Wesen in der Unterhaltungsindustrie und in der Werbung, aber auch in weniger charmanten Redewendungen kommen Haus- und sonstige Drachen vor. (APA)

Sonderausstellung "Der Drache. Eine Legende erwacht", Schloss Trautenfels, 23. März bis 31. Oktober 2002, täglich 9.00 bis 17.00 Uhr

Informationen auch auf der Webseite
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Darstellung eines Drachen von Athanasius Kircher (17. Jahrhundert)

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