Das Ende der Leiharbeit

20. März 2002, 11:22
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Vertreter der Arbeitskräfteüberlasser konstatiert Verteuerung von Zeitarbeitskräfte durch neuen KV - Arbeitnehmer-Anteil wird steigen

Wien - Die heimische Zeitarbeitsbranche sieht sich vor einer großen Zukunft: "Wir werden eines der wesentlichen Beschäftigungsverhältnisse werden", ist der Branchenvertreter der Arbeitskräfteüberlasser, Gerhard Flenreiss, überzeugt. "Auch ich rufe das Ende der Leiharbeit aus, die Ära der Zeitarbeit hat begonnen", sagt Flenreiss im APA-Gespräch unter Bezugnahme auf die derzeit laufende Inseratenkampagne der Gewerkschaft Metall-Textil.

Die Arbeitskräfteüberlasser nur als Beschaffer und Vermittler von billigen Arbeitskräften zu sehen, stellt Flenreiss grundsätzlich in Frage: "Das kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein." Vielmehr werde den vorübergehenden Beschäftigungsverhältnissen in Zukunft eine viel größer Bedeutung zukommen: Die Arbeitskräfteüberlasser würden für eine immer größer werdende Zahl von Arbeitskräften, die mit mehr Flexibilität leben und arbeiten wollen, einen sicheren Hafen bieten können.

Gewerbeordnung

Die bevorstehende Änderung der Gewerbeordnung, wonach voraussichtlich ab 1. Juli 2002 Arbeitskräfteüberlasser auch als Arbeitskräftevermittler tätig werden können, werde zu erhöhten Kundenanfragen führen und signifikante Auswirkungen auf Umsatz und Ergebnis haben. Auch auf eine höher Anzahl von Bewerbungen müssten sie sich vorbereiten, was zusätzliche Investitionen in Infrastruktur und Mitarbeiter zur Folge haben werde. "Damit wird eine qualitative Konkurrenz zum AMS (Arbeitsmarktservice) entstehen, die viele tausend Stellen vermitteln wird", so Flenreiss, der sich in Zukunft bei den AMS-Statistiken bzw. Erfolgsnachweisen einen getrennten Ausweis der aktiv und passiv vermittelten Stellen wünscht. Auch strebe er ein eigenes Berufsbild Arbeitskräfteüberlasser an.

Referenzzuschläge

Zweifellos wird der mit Anfang März in Kraft getretene Kollektivvertrag (KV) für das Arbeitsüberlassungsgewerbe zu einer Verteuerung der Zeitarbeitskräfte führen, aber: "Das ist nicht wirklich das Problem der Zeitarbeitsbranche, das davon betroffene Volumen ist bedeutungslos", so Gerhard Flenreiss im Gespräch mit der APA weiter. Eine Panikmache in dem Zusammenhang sei nicht angebracht.

Ein Problem stelle sich bei den Referenzzuschlägen, den branchenüblichen Zuschlägen auf den KV-Mindestlohn dar. Während ein Unternehmer diese Zuschläge zurücknehmen könnte, könnte dies der Arbeitsüberlasser nunmehr nicht.

Am österreichischen Arbeitsmarkt mit seinen derzeit 675 aktiven Arbeitskräfteüberlassern werde es über kurz oder lang zu einer Konzentration kommen, ist auch Flenreiss überzeugt. "Je reifer der Markt wird, desto intensiver müssen die Serviceleistungen werden und umso schwieriger wird es für Kleine, da mitzuhalten". Flenreiss glaubt nicht, dass die Konzentration über Akquisitionen laufen wird. Die Kleinen werden einfach vom Markt verschwinden, während Betriebe ab einer gewissen kritischen Größe, die genügend Service bieten können, von einem reiferen Markt profitieren werden. (APA)

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